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Erklärung davon iſt die Sache keiner kleinen Unterſuchung, oder glaubſt du es klar machen zu können?— Bei Gott, ich doch nicht.— Aber das doch kannſt du dir klar machen, daß die Eigenſchaft der Wohlanſtändigkeit und der Anſtandsloſigkeit die Folgen von dem richtigen oder unrichtigen Tacte ſind?— Allerdings.— Ferner daß der richtige Tact der ſchönen Form des Ausdruckes wie ein Schatten folgt, der unrichtige aber der entgegengeſetzten, ſowie daß es mit der guten und ſchlechten Tonart ebenſv ſich verhält, wofern zugeſtandener Maßen Tact und Tonart nach dem Inhalte des Textes ſich richten, aber nicht dieſer jenen.— Ei ja, jene müſſen ſich doch nach dieſem richten.— Wie ſteht's ferner mit der Form und dem Inhalte des Textes? Folgen dieſe nicht der Güte der Seele?— Allerdings.— Der Form des Ausdruckes aber die übrigen genannten Stücke?—„Ja.— Demnach folgt alſo die Güte des Ausdruckes in Form und Inhalt, ferner die Güte in der Tonart, im Anſtande und im Tacte der Güte der Seele, welche aber hier nicht ſo viel als Unverſtand bedeutet, welchen wir ſonſt mit einer bemäntelnden Redensart als eine gute Seele bezeichnen, ſondern ſo viel als eine urſprünglich wahrhaft gute und durch die moraliſche Zucht des Gemüthszuſtandes veredelte Denkart*).— Ja ganz richtig.— Müſſen nun nicht unſere jungen Zöglinge dieſe Güte und Zweckmäßigkeit in allen möglichen Rich tungen ſtudieren**), wenn ſie ihrem Berufe genügen wollen?— Ja das einmal müſſen ſie.— Voll***) ja doch iſt davon erſtlich die Malerei(401) und jede ihr verwandte Kunſt; zweitens voll davon die Kunſtweberei, die Stickerei, die Baukunſt und jede Verfertigung der übrigen menſchlichen Geräthſchaften, endlich voll davon die Schöpfung des thieriſchen Leibes und der übrigen Natur⸗Producte; denn in allen dieſen Dingen iſt zweck⸗ mäßiger Verſtand und Unanſtändigkeit vorhanden. Da ſind nun einerſeits die Unanſtändigkeit, Tactloſigkeit und Mißtönigkeit verſchwiſtert mit der in Form und Inhalt ſchlechten Rede ſowie mit dem ſchlechten und verwahrloſten Seelenzuſtande, die entgegengeſetzten Eigenſchaften aber ſind Geſchwiſter und Abbilder von dem entgegengeſetzten Seelenzuſtande, der urſprünglich gut iſt und dazn zur beſonnenen
*)„Suchet zuerſt das Reich Gottes und ſeine Gerechtigkeit, das Uebrige wird euch beigegeben werden“— gilt nach Plato nicht nur vom Leben, ſondern auch von jeder Kunſt. Unſer großer Maler Cornelius hat(nach A. Schasler's„Erinnerungen an einen großen Todten“ in der Gartenlaube 1867, Nr. 17) eine entſprechende Behauptung aufgeſtellt, wenn er ſagte:„Die Kunſt, wie ich ſie verſtehe, iſt von der Religion nicht zu trennen.“
**½) Ausführlicher behandelt dieſen Gedanken Plato im Sympoſion, beſonders von 210 a. an. Nach Plato ſind die Menſchen theils von Natur gut, theils durch Wiſſenſchaft; die natürliche Güte iſt nur dauernd gut, wenn die Wiſſenſchaft veredelnd und ſtärkend hinzutritt.
**ℳ) Im Sympoſion 210 d. ſpricht Plato von einem Meere des Schönen in der Welt, durch deſſen Betrachtung der Menſch ſich zu veredeln hat. Uebrigens iſt bekannt, daß ſelbſt das gewöhnliche Hausgeräthe der Griechen das Gepräge des Schönen trug. e


