Aufsatz 
Das dritte Buch des platonischen Gottesstaates : oder: Fortsetzung der Kritik der Literatur behufs einer vernünftigen Jugenderziehung, sodann der Musik und Gymnastik aus demselben Gesichtspunkte, Staatsregenten und Staatsschutzmänner mit goldenen Seelen
Entstehung
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von rhythmiſch zuſammengeſetzten Versfüßen*) haſchen ſondern darauf ſehen, welches der Tact eines beſonnenen und mannhaften Lebens iſt; daß man nach Entdeckung (400) dieſes Tactes den Fuß oder Tact und den Geſang zwingt, dem ſprachlichen Ausdrucke oder Texte eines ſolchen Lebens zu folgen, aber nicht die Sprache, dem Tacte und der Melodie zu folgen. Welches nun dieſe Tacte ſind, das anzugeben iſt nun wieder deine Aufgabe, gerade wie vorhin in Bezug auf die Tonarten.— Aber bei Gott, die kann ich nicht anſagen; darüber zwar kann ich doch Aufſchluß geben, daß es drei**) Hauptarten von Tacten gibt, durch deren Verflechtung die rhythmiſch zuſammengeſetzten Versfüße gebildet werden, wie bei den Tönen vier**4), woraus ſämmtliche Tonarten entſtehen; was für eine Lebensweiſe aber eine jede nachahmt, das kann ich nicht angeben.— Nun über dieſe Verhältniſſe wollen wir noch mit Damon †) zu Rathe gehen, welches die paſſenden rhythmiſch zuſammengeſetzten Versfüße für Niederträchtigkeit und Hoffart oder für Tollheit und ſonſtige Verworfenheit, und welche Tacte für die dieſen Laſtern entgegengeſetzten Tugenden zurückzulaſſen ſind. Ich erinnere mich, nicht deutlich jedoch † †), von ihm gehört zu haben, daß er eine zuſammengeſetzte Tactart, eine für Waffenmänner † †) geeignete, dactyliſche und gar heroiſche nannte, ſie ich weiß nicht wie anordnete und eine gleiche zu Anfang und zum Schluß ſetzte, die aus einer Kürze und einer Länge beſtand, und auch einen Jambus, glaube ich, nannte er, eine andre Trochäus und fügte Längen und Kürzen an; und an einigen von dieſen, glaub' ich, tadelte und lobte er die Tempi des Fußes nicht minder als die Tacte ſelbſt, oder ein Drittes, was beides umfaßte, denn ich kann es nicht deutlich angeben. Drum ſollen, wie geſagt, dieſe Erörterungen für den Damon aufgeſpart bleiben; denn die

) So überſetze ich das gr. Wort Baſis nach der Erklärung Aſt's(pes rhythmice compositus), die K. F. Hermann in ſeiner Rec. der Ausgabe Stallbaum's in der Darmſt. Allg. Schulzeitung 1831, II. Abth., S. 2184 mehrfach begründet hat. Baſen bedeuten nach H. die einzelen Maßeinheiten des Rhythmus oder Tactes, und ſie verhalten ſich zu dieſem wie Theile zur vieltheiligen Einheit, wie z. B. die einzelnen Sylben zu einem Versfuße.

**) Nach Stallbaum das Verhältniß der Gleichheit, des Doppelten und des Aberthadden; dactyliſcher, trochäiſcher und päoniſcher Rhythmus.— Der modiſch gebildete Glauco weiß Viel über die Muſik zu ſchwätzen, ihren eigentlichen Bildungswerth kennt er aber nicht. S. unſere Einleitung S. 13.

***) Nach Schneider die vier übereinſtimmenden Intervalle Quinte, Quarte, große Terze und kleine Quinte. Vrgl. Stallbaum zu dieſer und der vorhergehenden Stelle.

†) Ein ausgezeichneter und wiſſenſchaftlich gebildeter Muſiker, auch Lehrer des Pericles.

† †) Was dem plat. Socrates nicht deutlich war, wird uns ſchwerlich deutlich werden. Plato will ſich offenbar nicht in eine ausführliche Theorie der damaligen Muſik und ihrer vielen Kunſtaus⸗ drücke einlaſſen, ſondern ſeine desf. Kritik hat nur ein moraliſches Ziel. Die damalige feinere Welt ſcheint eben ſo wenig, wie die heutige noch, keinen Begriff gehabt zu haben, welche moraliſche Nach⸗ theile eine ſchlechte und üppiche Muſik hat.

†rt) Ueber dieſen 8 Q 59ʃ09 ſoll Hr. F. V. Fritzſche ein eigenes Programm 1848 geſchrieben haben, deſſen ich nicht habhaft werden konnte.