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möglichen Tonarten angebendes Inſtrument bei unſeren muſikaliſchen Vorträgen und Geſängen gar nicht brauchen.— Ja, ſo iſt es.— Somit werden wir für Trigone und Pectide*) ſowie für alle Inſtrumente überhaupt, welche viele Saiten und viele Ton⸗ arten haben, keine Fertiger halten.— Wir offenbar nicht.— Ferner Flötenmacher und Flötenbläſer**), wirſt du dieſe in deinen Staat aufnehmen? Oder iſt dieſes Inſtrument nicht das tonumfangreichſte, und ſind nicht die alle Tonarten umfaſſen⸗ den Inſtrumente eine Nachahmung von einer Flöte?— Offenbar.— Da blieben dir von den Inſtrumenten natürlich nur die Lyra und die Zither***) übrig, dienlich für die Stadt, und andrerſeits auf dem Lande für die Hirten wäre es eine Art Rohrpfeife.— Wie wenigſtens die vernünftige Schlußfolge unſerer Unterſuchung darauf hinweiſt.— Nichts Unerhörtes jedoch, mein Lieber, führen wir damit ein, wenn wir dem Apollo und ſeinen Inſtrumenten vor Marſyas und deſſen Inſtrumenten den Vorzug geben.— Nein bei Gott, das thun wir offenbar nicht.— Und beim Hunde †), ohne es zu merken, geben wir dem Staate wieder die urſprüngliche Rein⸗ heit, von dem wir vorhin † †) bemerkten, daß er in unlautere Ueppigkeit gerathe.— Sehr venſänbin doch thun wir das.—
So komm denn und laß uns auch die übrigen Punkte dieſer Aufgabe ins üaen bringen. Denn die nächſte Beſtimmung nach der über die Tonarten wird uns wohl über den Tact conſequent die ſein, daß die Muſiker bei dieſem nicht nach einer allzu großen Mannigfaltigkeit und nach einem zu großen Allerlei
*) Trigonon war ein harfenartiges Inſtrument; die Saiten waren ungleich an Länge, aber
gleich dick.— Pectis war auch ein Saiten⸗Inſtrument, von den Lydiern erfunden, welches die
Griechen erſt dann aufnahmen, als die einfache Muſik der einfacheren ſiebenſaitigen Lyra nicht mehr genügte.
**⁴) Das gr. Blas⸗ Inſtrument Aulos, was wir nicht anders als mit Fls te überſetzen können, mit dieſer aber wenig Aehnlichkeit hatte, war mit Schaft, Luftlöchern und Mundſtück verſehen, glich alſo mehr unſerer Klarinette.
**) Von der Lyra iſt die Zither(gr. Kithara) nur dadurch verſchieden, daß dieſe einen ehernen Fuß hatte, auf welchem ſie zugleich als ihrem Reſonanzboden ruhte; ſie konnte alſo, wie die Harfe, ſtehend geſpielt werden, während die Lyra mehr unſerer Laute entſprach. Ueber die verſch. muſik. Inſtrumente der Griechen ſ. Pauly's Real⸗Enc. unter d. W. Lyra.
†) Die Betheuerung bei Zeus, aus deſſen Namen der Glaube an einen einzigen Gott auch bei allen heidniſchen Ariern uns entgegenleuchtet, hatte der leichtfertige Athener, wie hier auch der Mitredner, bei jeder unbedeutenden Veranlaſſung im Munde; der fromme Socrates dagegen, der nach dem Vor⸗ gange des gerechten Königs Rhadamanthus den Namen Gottes nicht vergeblich aus⸗ ſprechen wollte, ſchwur beim Hunde und anderen Thieren, ſei es daß der Hund als das Symbol der Treue gebraucht wurde(dann wäre„beim Hunde“= dem lat. medius fidius und unſerem„bei meiner Treue“), ſei es daß unter Hund der hundsköpfig aPeblche ägyptiſche Gott Anubis ver⸗ ſtanden ward. S. Stallbaum zu Plato's Apolog. Socratis 22
††) B. II. Kap. 13.


