Kap.(Prima castrorum rudimenta in Britannia Suetonio Paulino..... approbavit) kann nicht zweifelhaft ſein, ja wir ſetzen hinzu: es war ganz unnöthig; denn Tacitus, wie faſt alle Schriftſteller des ſilbernen Zeitalters, muthet uns ſonſt noch viel ſchwerere Subjects⸗Ergänzungen aus dem Vorhergehenden zu, als hier(aus dem Vorhergehenden„ratio et aetas“ oder„sublime et erectum ingenium“); wir verweiſen hier nur auf Agr. Kap. 12, 5. Erforderlicher, ja nothwendiger war der Name„Agricola“ am Anfange des zweiten Satzes, da das vom jungen Kriegs⸗Tribun Agricola bei ſeinem älteren Chef(diligenti et moderato duci) verdiente Lob nicht nur im Gegenſatze zu jenem(um das Wort moderato keinem Mißverſtändniß auszuſetzen), ſondern auch im Gegenſatze zu den gewöhnlichen jungen Offizieren Rom's(more iuvenum) näher zu motivieren und hervorzuheben war.— Eine unſerer(deutſchen) Auffaſſung entſprechendere Gedanken⸗ reihe und Satzbildung wäre freilich folgende geweſen: Agricola castrorum rudimenta in Britannia posuit, ut Suetonio Paulino, diligenti ac moderato duei, approbarentur, quum ab illo electus esset, ut contubernio eum aestimaret, id est,(wie Kritz die Worte richtig erklärt) ut eum penitus, qualis futurus esset, exploraret. Neque ille erat is, qui morem plerorumque iuvenum(tribu- norum) sequeretur, qui aut licenter militiam in lasciviam vertunt, aut segniter titulum tribu- natus et inscitiam ad voluptates et commeatus referunt; sed iuvenis Agricola noscebat provin- ciam, noscebatur exercitui, discebat a peritis, sequebatur optimos, nihil appetebat in iactationem, nihil ob formidinem recusabat, simulque et anxius et intentus agebat.— Aber Tacitus ſchrieb nun einmal als Tacitus, deſſen bekannte Eigenthümlichkeit es iſt, daß er, frei, d. h. nach ganz deutſcher Art überſetzt, wäſſerig, wörtlich aber überſetzt dunkler wird, als im Lateiniſchen. Dennoch wollen wir es verſuchen, am Schluſſe dieſer Zeilen eine deutſche Ueberſetzung von der ganzen Stelle zu geben und hiemit zugleich in Kürze unſere Auffaſſung und Erklärung der⸗ ſelben,„Seine erſten practiſchen Kriegsdienſte that er in Britannien mit Lob von Seiten ſeines Chefs „Suetonius Paulinus, eines gewiſſenhaften und beſonnenen Feldherrn, welches daraus erhellt, daß „er ihn in ſein Feldherrnzelt aufnahm, um ſeinen Werth recht kennen zu lernen. Und Agrieola be⸗ „trachtete auch nicht nach der Gewohnheit junger Herrn, welche den(ernſten) Kriegsdienſt zu einem „Spiel und Unfug machen, ſein Offiziers⸗Patent und ſeine noch jugendliche Unwiſſenheit als einen „Freibrief zu allerhand übermüthigen Ungezogenheiten(licenter), noch auch nach Art jugendlicher „Vergnüglinge(segniter) zu ſinnlichen Lüſten und Urlaubs⸗Reiſen; ſondern er ſuchte ſeine Kennt⸗ „niſſe zu vermehren durch nähere Bekanntſchaft mit der Provinz, dem Kriegsheere(von vortheilhafter „Seite) bekannt zu werden, von Kundigen zu lernen, an die Beſten ſich anzuſchließen; bei ihm kein „heftiges Verlangen nach Gefahr bloß zum Zwecke der Prahlerei, bei ihm kein Weigern vor einer „Gefahr aus Urſache eines Haſenherzens, und alſo(que) bei ihm die Vereinigung zweier ſonſt ent⸗ „gegengeſetzten Eigenſchaften: ängſtliche Vorſicht und Energie.“ Wenn die Ueberſetzung Etwas bei⸗ tragen ſollte, dieſe bis jetzt ſehr dunkle Stelle des Tacitus ganz verſtändlich zu machen, ſo iſt dieß meiſt den anregenden Winken des Hrn. Bormann, ſowie der neueſten Ausgabe des Agricola vom Hrn. Kritz zu danken, welcher zu den(von Erſterem tentierten) Worten Nec Agricola die richtige Bemerkung macht:„Nec non vulgari modo ut correlativum respondet sequenti neque, sed simpliciter praecedenti sententiae adjungit novam eamque negativam, cui deinde altera pariter negans annectitur, quod Germanice sic reddas: auch nicht— noch auch.“— Nur kann ich mit Hrn. Kritz nicht übereinſtimmen, wenn er die Worte more iuvenum— vertunt nur als Pa⸗ rentheſe zu verſtehen und nach dem Vorgange anderer Erklärer(z. B. Dronke's) das licenker auf voluplates und das vegniter auf commeatus beziehen will.
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