Zeigabe
zum Wormſer Gymnaſial-Programm 1857.
Plato
wünſcht¹) dem Hermias*²), Eraſtus ³) und Coriscus der wahren Tugend Glück und Heil.
Mirr ſcheint eines der höheren Weſen mit Huld und voller Hand Euch ein ſchönes Glück zu beſcheren, wenn Ihr es wohl zu benutzen wiſſet. Denn Ihr wohnt ja in der Nachbarſchaft, ſo daß Ihr erſtlich in perſönlicher Berührung leben ſodann auch Euch im Falle der Noth die größten Dienſtleiſtungen erweiſen könnet. Dem Hermias einerſeits kann keine Maſſe Cavallerie, kann überhaupt keine Kriegs⸗ macht, noch auch eine Maſſe überdem angehäuften Goldes*) eine größere Stütze in jeder Beziehung ſein, wie eine Anzahl von Freunden mit moraliſcher Feſtigkeit und mit einem des wahren Heils theilhaftigen Character ⁵); dem Eraſtus und Coriscus iſt dagegen andrerſeits nebſt jener ihrer göttlichen Ideenwelt ⁵⁴) die wach⸗ ſame Weltklugheit und ein practiſches Abwehrungs⸗Geſchick gegen die Schurken und Spitzbuben nothwendig); dieſer Rath kömmt wenigſtens aus meinem Munde, wenn auch ⁵⁴) aus dem eines hochbetagten Hauptes: Die beiden Letzteren kennen die Welt noch nicht, weil ſie einen großen Theil ihres Lebens in unſerer ordentlichen und unverdorbenen Geſellſchaft zugebracht haben. Und deßhalb nur natürlich ſagte ich auch, daß ſie neben ihrer göttlichen Ideen⸗Weisheit noch jene beiden, die Weltklugheit und Abwehrungs⸗Geſchicklichkeit gegen die Außenwelt, nöthig hätten, ich ſage, deßhalb nur, damit ſie nicht veranlaſſ't werden, die ewig wahre Weis⸗ heit darob zu vernachläſſigen und nach jener Weltklugheit übermäßig zu trachten, obgleich auch ſie nothwendig iſt. Dieſe practiſche Geſchickheit ſcheint mir andrerſeits Hermias einmal von Hauſ' aus als ein ſchon angeborenes Talent zu beſitzen und dann auch weiter durch Kunſt mittels Erfahrung ſich angeeignet zu haben. Welches iſt nun der Rath, den ich Euch demzufolge zu ertheilen habe? Dir, Hermias einerſeits, rathe, verkünde und betheure ich auf den Grund der von mir mit Eraſtus
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