Aufsatz 
Drei Paragraphen über Ideal, Einteilung und Gliederung der Philosophie. Aus einer zum Drucke bereit liegenden Handschrift: Wegweiser zur Wissenschaft und zum Studium der Hochschule für Schüler der obersten Klassen von Gymnasien
Entstehung
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Einen rühmlichen Vergleich bieten dagegen die Stadtvor⸗ ſtände von Worms in der neueren Zeit, ſeit 1816, indem ſier trotz aller Wandelbarkeit von Perſonen und Verhältniſſen darin übereinſtimmten, daß ſie ihr von der Vorzeit überkommenes Gymnaſium fortwährend, ſelbſt auf Koſten des ſtädtiſchen Aerars, zu fördern und durch kritiſche Zeiten hindurch zu er⸗ halten ſuchten, dabei den Anſprüchen auf allgemeine Bürger⸗ bildung billige Rechnung tragend. Sie handelten unbewußt nach einem andren Spruche Göthe's, welchen die Princeſſin in ſeinem Taſſo ausſpricht:

Die Kenntniß alter Sprachen und des Beſten, Was uns die Vorwelt ließ, dank' ich der Mutter.

Und dieſe Werthhaltung einer Gelehrten⸗Anſtalt iſt bei einem Vergleich mit der alten Zeit um ſo höher zu achten, als bei der Bürgerſchaft der neueren Zeit nicht die allgemeine und unmittelbare Bekanntſchaft mit den Gymnaſial⸗Wiſſenſchaften vorausgeſetzt werden kann, wie in der älteren Zeit, da ſchon ein Rudolf Agricola(geb. 1443) vor einer Verſamm⸗ lung Wormſer Bürger griechiſche und römiſche Klaſſiker erklärte.

2. Das 5ojährige Beſtehen der vereinigten höheren Schulanſtalten von Worms.

Bei der Erinnerung an die Vergangenheit werden wir dieſes Jahr an eine Thatſache erinnert, welche unſer Gymna⸗ ſium ſehr nahe berührt.

Vor dem Jahr 1803 beſtanden in Worms zwei öffentliche Gelehrten⸗Schulanſtalten: 1) das wahrſcheinlich(denn das Schul⸗Archiv kam in den Kriegszeiten abhanden) zwiſchen 1527 und 1539 gegründete proteſtantiſche Gymnaſium; 2) das ſeit dem 20. April 1613 geſtiftete katholiſche Seminarium. Durch Regierungs⸗Decret vom 22. Nov. 1803 wurden beide