Aufsatz 
Nassauische Chronisten des Mittelalters / vom Gymnasiallehrer Dr. Widmann
Entstehung
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VII. Bibliotheken und Apparate.

Die Lehrer- und Schülerbibliothek wurde verwaltet durch den Oberlehrer Dr. Büsgen, die biblio- theca pauperum durch den Professor Otto, der physikalische und mathematische Apparat durch Oberlehrer Bücheler, der chemikalische Apparat durch Hilfslehrer Klau, der geographische durch Gymnasiallehrer Dr. Scholz, der naturhistorische und der Turnapparat durch den Elementar- und Turnlehrer Güll, der Zeichenapparat durch den Zeichenlehrer Kreutzer, der Apparat für den Gesang- und Schreibunterricht durch den Plementarlehrer Schmitt.

1. Die Lehrerbibliothek*) wurde durch die Erwerbung folgender Werke vermehrt: a. Zeitschriften. Angekauft: Zeitschrift für Gymnasialwesen. v. Sybel, Historische Zeitschrift. Neue Jahr-

bücher für Philologie und Pädagogik. Bursian, Jahresbericht. Centralblatt für die Unterrichtsverwaltung. Ephemeris epigraphica.

*) Im Anschluss an den Ministerial-Erlass vom 20. November 1874(vergl. Programm v. J. 1875, 8. 33 und 38), welcher bestimmt, dass im Programm darüber Auskunft gegeben werden soll, ob in der Bibliothek der Anstalt wichtige und seltene alte Drucke oder Handschriften enthalten sind, wird im Nachstehenden eine vom Religionslehrer Wedewer abgefasste Mitteilung veröffentlicht:.

1.Vincentius Bellovacensis(Bischof von Beauvais), Professor O. Pr., schrieb unter dem Titel:Speculum quadruplex: naturale, doctrinale, morale et historiale eine im Mittelalter sehr berühmte Encyklopädie der Nissenehnna welche J. Mentelin zu Strassburg 1473 76 zuerst vollständig druckte. Von dieser seltenen Original-Ausgabe besitzt unsere Bibliothek den einen Teil, dasSpec. doctrinale, Der Druck ist ausserordentlich schön und sauber auf festem Papiere ausgeführt(2 Columnen à 67 Zeilen); die Anfangsbuchstaben sind mit der Hand in bunten Farben(rot und blau) mit Verzierungen eingezeichnet. Dieser Teil desSpeculum muss, wenn er vollständig ist, 400 Blätter zählen; leider ist aber unser Exem- plar defekt und beginnt mit dem zweiten Buche. Von da an sind die folgenden 17 Bücher wohlerhalten. Selbst in seinem defekten Zustande ist das Exemplar immerhin noch von Wert und Interesse.

2. Von demselben Vincentius Bellovacensis besitzt die Bibliothek auch dasSpeculum morale, aber nur in der 1493 pridie cal. Oct. zu Venedig durch den Kölner Hermann Liechtenstein gedruckten, nicht so korrekten Fassung. Auch hier sind die Anfangsbuchstaben vom Miniator sauber und zuweilen mit nicht unschönen Verzierungen eingezeichnet. Dieses Exemplar ist komplet und noch im Original- Mönchs-Band von Schweinsleder gebunden, der in den Pressungen allerlei Figuren mit Unterschriften zeigt.

3. Ferner hat unsere Bibliothek die bekannteLombardica Historia, quae a plerisque Aurea legenda sanctorum appellatur. Diese damals sehr verbreitete, aber wenig kritische Heiligenlegende des Dominikaners Jacobus de Voragine ist überaus oft im Drucke erschienen; unsere Folio-AusgabeArgen- tine(sic)1489 ist weder Hain, noch Grässe bekannt(letzterer hat eineArgentine 1486). Das Exem-

plar ist komplet und wohlerhalten.

4. Leider defekt ist dagegen der erste Druck vonPartzifale undTyturell vonI477 den unsere Bibliothek besitzt. Wahrscheinlich ist dieser mit lateinischen Typen hergestellte seltene Druck ein Werk des G. Zainer in Augsburg.(Ausser der ZahlMCCCCLXXVII ist gar keine Angabe im Buche selbst vorhanden.) Jede Folio-Seite enthält 2 Columnen mit je 40 Linien; die Anfangsbuchstaben sind vom Miniator eingezeichnet. Vom Parzival, der 159 ff. zählen muss, fehlen leider einige der ersten Blätter, der Titurel dagegen ist komplet, nur die letzten Blätter sind stark lädirt, der Original-Lederband defekt. Aber selbst in diesem Zustande ist das kostbare Werk eine Zierde der Gymnasialbibliothek.

5. Endlich ist noch ein Sammelband von 4 Lehrhüchern vorhanden(dem Einband nach zu urteilen im vorigen Jahrhundert angelegt), deren erstes den Titel führt: 3

a)Promptuarium argumentorum.. utile et necessarium omnibus qui volunt rectum impetrare argumentandi modum. Unter diesem Titel ist ein Holzschnitt angebracht, einen Lehrer (st. Thomas Aq.?) mit 2 Schülern darstellend, darauf die Legende:Accipies tanti Doctoris dogmata sancti. Leider ist dieser philosophische Traktat defekt; es fehlen, wie sich aus einem Verzeichnis der