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Schöpfer ist ein Organisationstalent allerersten Ranges, und seine überlegene Geschicklichkeit nötigt selbst seinen Feinden ungeheuchelte Bewunderung ab. Als das bedeutsamste Werk aber, welches dieser grosse Mann ins Leben gerufen, lernen wir in dieser Schrift. unsere Schule kennen. Im August des Jahres 1851 ist Samson Raphael Hirsch hierher berufen worden, und schon im April 1853 wurde die Schule mit 87 Schülern und Schülerinnen eröffnet. ¹) Ihre Gründung, Erhaltung, Ausgestaltung und schliesslich ihre Umgestaltung, die nach der Einverleibung Frankfurts in den preussischen Staat unabweis- bar wurde,— alle diese Stufen ihrer Entwickelung hat der grosse Rabbiner vorbereitet und erst möglich gemacht. Die Schulgründung war ein glücklicher Wurf, eine in die Zu- kunft gestreute Saat. Unsere Anstalten bilden heute die wichtigste Institution in unserem Gemeinwesen, deren Unterhaltung freilich grosse Opfer erheischt und die Begeisterung unserer Schulgemeinde in hellem Glanze leuchten lässt. Diese Anstalt selbst aber zahlt— und das hat der verewigte Gründer vorausgesehen und beabsichtigt— die für sie gebrach- ten Geldopfer in idealen Gegenleistungen ebenbürtig zurück. Die jungen Geschlechter, weltlich und religiös in ihr unterrichtet und erzogen, schliessen in der Jugend sich innig aneinander an, und diese Jugendfreundschaften überdauern die Jugend und bilden einen wirksamen Kitt, welcher gepaart mit religiöser Begeisterung unsern Gemeindeorganismus fest zusammenzufügen bestimmt ist. Selbst der grundsätzliche Bekämpfer religiöser Sonderanstalten kann, wenn er unsere eigenartigen, nur schwer zu lösenden religiös-didakti- schen Sonderaufgaben sich klar macht, unseren Anstalten die Berechtigung ihrer Sonderexistenz billiger Weise nicht absprechen. So tritt in der Schrift seines pietätsvollen Sohnes der verewigte Gründer unserer Gemeinde wie ein ihr von der Vorsehung geschickter Mann vor unseren Augen auf. Der rechte Mann zur rechten Zeit an der rechten Stelle, so richtet er unser Gemeinwesen auf sicheren idealen Fundamenten auf — ein Denkmal begeisterter Glaubenstreue und opferfreudiger Hingebung des um den Führer gescharten Häufleins, ein Denkmal aber zugleich auch für die herzenbezwingende Macht einer einzelnen überragenden Persönlichkeit, wenn sie von ihrer eigenen Begeisterung einen Funken in Geister und Gemüter zu werfen und sie in die von ihr selbst beschrittene Bahn wider- standslos fortzureissen versteht.
Sich selbst aber hat der nun auch schon entschlafene Sohn mit dieser seinem Vater gewidmeten Schrift gleichfalls ein herrliches Denkmal gesetzt. Die nachkommenden Geschlech- ter werden aus dieser Schrift ersehen, in wie vorbildlicher Weise dieser Sohn seinen Vater verehrt und geliebt hat, und diese inbrünstige Sohnesliebe zählen wir zu den erquickendsten und nacheiferungswürdigsten Zügen seiner ungewöhnlichen Persönlichkeit. Nur um elf Jahre hat er seinen Vater überlebt. Für die Seinigen, die sein Heimgang in tiefe Trauer versetzt hat, für die treue Gehilfin seines Lebens, der er in einer vierzigjährigen mustergülti- gen Ehe stets huldigende Liebe undVerehrung bewiesen, für seine Kinder, welchen er ein zärtlicher Vater gewesen, für sie flehen wir den Trost des Allmächtigen herab. Er, der Wunden schlägt und Wunden heilt, Er möge für ihre Schmerzen lindernden Balsam bereiten, Er möge sie aufrichten und ihnen neuen Lebensmut einflössen, er möge an sie den belebenden Ruf
¹7) Emanuel Schwaraschild, Die Gründung der Israelitischen Religionsgesellschaft S. 28 und S. 34.


