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Am 3. November wurde Herr Prof. Breuer für einige Tage als Geſchworener nach Neuwied einberufen.
Am 22. November mußte Herr H. Becker für einige Wochen krankheitshalber ſeine Stunden ausſetzen. Der mathematiſche Unterricht in den betr. Klaſſen konnte nur zum Teil durch Herrn Prof. Breuer erteilt werden.
Im Laufe der Weihnachtsferien ſchied der erſte Oberlehrer, Herr Profeſſor Breuer aus unſerem Kollegium. Er war am 27. November 1894 zum Direktor des Königl. Realgymnaſiums in Wiesbaden ernannt worden, und die hohe Behörde hatte den Wunſch ausgeſprochen, daß es ihm ermöglicht werde, bereits vom 1 Januar ab die Leitung der genannten Anſtalt zu übernehmen. Das Kuratorium entſprach dieſem Wunſche und entließ ihn zum genannten Termine aus ſeiner bis⸗ herigen Stellung. Herr Breuer hat dem hieſigen Gymnaſium vom erſten Tage ſeiner Eröffnung im Jahre 1868 angehört und alle Phaſen ſeiner bisherigen Entwickelung mitgemacht. In der Vollkraft ſeines Lebens wurde er an die Anſtalt berufen, die im genannten Jahre zunächſt als„Progymnaſium“ aus der bisher hier beſtehenden ſogenannten„Realſchule“ ſich umgeſtaltete, dann im Jahre 1871 als vollſtändiges Gymnaſium anerkannt wurde und in demſelben Jahre durch Kabinetsordre vom 11. Oktober den Titel„Kaiſer Wilhelms Gymnaſium“ erhielt.(Die erſten Abiturienten wurden Oſtern 1873 entlaſſen.) Herr Breuer wurde zum erſten Oberlehrer ernannt und erhielt als ſolcher den Titel Prorektor. Ihm lag die Erteilung des mathematiſchen und phyſikaliſchen Unterrichts hauptſächlich in den oberen Klaſſen ob; dieſen leitete er immer mit großem Geſchick und reichem Erfolge. Sein An⸗ denken wird bei ſeinen Kollegen ſowie bei ſeinen Schülern immer in vollen Ehren bleiben. Wir wünſchen, daß es ihm in ſeinem neuen ſchönen Wirkungskreiſe vollkommen behagen und daß Gottes Segen ſeine Thätigkeit in demſelben ſtets begleiten werde.
Die Stelle des erſten Mathematikers wurde durch die Wahl des Kuratoriums dem Herrn Ober⸗ lehrer Maßfeller am Gymnaſium zu Hadamar übertragen und dieſe Wahl durch das Königl. Provinzial Schulkollegium beſtätigt. Da dieſer aber erſt zum 1. April d. Is. aus ſeiner bisherigen Stellung ſcheiden kann, wurde von der hohen Behörde der Kandidat A. Abt(bisher in Wiesbaden) unſerer Anſtalt zur Aushülfe überwieſen. Herr Kollege H. Becker übernahm den mathematiſchen und phyſikaliſchen Unterricht in Prima und Unterſekunda, während Herr Abt Mathematik und Natur⸗ wiſſenſchaft in den mittleren Klaſſen lehrte.
Am 27. Januar wurde nach hergebrachter Weiſe das Geburtsfeſt Sr. Majeſtät des Kaiſers Wilhelm II. in der Turnhalle gefeiert. Die Feſtrede hielt Herr Prof. Dr. Lückenbach. Ebenſo wurden die ſeit dem Jahre 1888 angeordneten Gedenktage 9. März, 22. März, 15. Juni, 18. Oktbr. in der vorgeſchriebenen Weiſe durch Anſprachen der Lehrer in der erſten Stunde begangen, wie dies auch in den früheren Jahren geſchehen iſt.
Am 16. Februar ſtarb in Limburg der geiſtliche Rat Herr Domkapitular Abt. Derſelbe war vom Jahre 1868—70 an der hieſigen Anſtalt als Religionslehrer und Regens des unter ſeiner Leitung entſtandenen biſchöflichen Konvikts thätig. Aus dieſem Grunde erwieſen ihm zwei Lehrer der Anſtalt als Vertreter derſelben bei ſeiner Beerdigung am 19. Februar die letzte Ehre.
Am 1. April fiel gemäß miniſterieller Anordnung aus Anlaß des achtzigſten Geburtstags des Fürſten von Bismarck der Unterricht aus. Am Sonnabend den 30. März wurden die Schüler in der erſten Stunde in geeigneter Weiſe auf die Bedeutung dieſes Tages hingewieſen.


