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Am 28. Juli unternahm die ganze Schule gemeinsam mit dem Lehrerkollegium und begleitet von einigen Eltern eine Fusswanderung über das Forsthaus nach Nassau, wo ein Mittagsmahl eingenommen ward. Am Nachmittag wurden das Steindenkmal und. die Burg Stein besucht. Darauf vergnügten sich die Schüler aller Klassen an Wett- spielen. Die erfolgende Preisverteilung erhöhte die Freude ausserordentlich. Am Abend kehrte die Schule mit der Bahn nach Niederlahnstein zurück. An dem Schul- hause wurden die Klassen nach Absingung des Liedes„Deutschland, Deutschland“ entlassen.
Am 9. Aug. 8 ½ Uhr morgens erfolgte in der hiesigen Stadt ein so starker Erdstoss, dass das Schulhaus ins Wanken geriet und in allen Fugen und Balken bebte und krachte. Schüler und Lehrer flüchteten ins Freie. Der fernere Morgenunterricht musste ausgesetzt werden. Nachdem eine bautechnische Besichtigung ergeben hatte, dass dasselbe keinen grösseren Schaden genommen hatte und zu weiterer Besorgnis keinen Anlass bot, ward der Nachmittagsunterricht wieder gehalten. Das Ereignis aber stellte wieder die Untauglichkeit des jetzigen Gebäudes zu einer Schule in erschreckender Weise vor Augen. Wäre ein zweiter Stoss erfolgt, so würde bei dem engen Gange des oberen Stockwercks uud der schmalen und schwachen Holztreppe, wie sie sonst in einfachen Wohnhäusern sich findet, auch wenn die Knaben selbst Gehorsam und Besonnenheit bewiesen hätten, ein entsetzliches Unglück kaum zu vermeiden gewesen sein. Nachdem Magistrat und Stadtverordnetenversammlung einen wohlgelegenen Bau- platz erworben haben, geben wir uns der Hoffnung hin, dass nun auch bald der Bau selbst, vor allem der Turnhalle in Angriff genommen werde, damit dem vor- geschriebenen Lehrplan für das Turnen entsprochen, sowie der Chorgesangunterricht und die Festlichkeiten der Schule in eigenem Hause abgehalten werden kann.
Die Ferien dauerten vom 4. Juni bis 13. Juni, vom 15. Aug. bis 19. Sept., vom 23. Dez. bis 7. Jan.
Am 28. Juni und 29. Juli fiel der Nachmittagsunterricht wegen der grossen Hitze aus. Während der kalten und ungesunden Monate Dezember— Februar waren die katholischen Schüler vom Besuche des Schulgottesdienstes an Wochentagen entbunden. Am 15. Juni, 18. Oktober, 9. März und 22. März fand die vorgeschriebene Gedenk- ſeier statt. Bei der Feier des Allerhöchsten Geburtstags Seiner Majestät unseres Kaisers und Königs Wilhelm II. hielt Herr Dr. Bodewig die Festrede.
Die Feier ward wieder in dem gütigst zur Verfügung gestellten Saale des Kasinos „Eintracht“ abgehalten. Am 12. Okt. 1892 wurde in den einzelnen Klassen in Ansprachen der vor 100 Jahren durch Columbus geschehenen Entdeckung Amerikas gedacht.
Mit Ostern 1892 waren die letzten Obersckundaner aus der Anstalt geschieden.— Im Herbst 1893 wurden zum letztenmal 5 Untersckundaner ohne Prüfung mit dem Zeugnis der Reife für Obersekunda entlassen. Nach Neujahr 1893 fand die erste Reifeprüfung der Sekundaner nach der neuen Prüfungsordnung statt und zwar die schriftliche vom 30. Januar bis zum 3


