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Werken vollſtändig kennen gelernt hat, Freude und Genuß an wahrhaft veredelnder Lectüre gewonnen haben und dann, welchem Beruf er auch folge, gerne ſich weiter einführen laſſen in das große Gebiet unſerer Geſammtliteratur. Wenn wir beiſpiels⸗ weiſe als ſolche Werke, die in den oberen Klaſſen geleſen werden ſollen, das Nibelungenlied,(zum größten Theil) den Cid, Her⸗ mann und Dorothea, Iphigenie, Götz von Berlichingen, Wallen⸗ ſtein, Jungfrau von Orleans, Maria Stuart, Wilhelm Tell nennen, die auch bereits durch ſchöne und wohlfeile Schulaus⸗ gaben dem Gebrauche zum Unterricht näher gebracht ſind, ſo möchten wir ihnen insbeſondere auch Uhland's beide Dramen und vor Allem ſeinen Ernſt von Schwaben angereiht ſehen, denn in ihnen lebt und wirkt jene Jugend, die nie altet; in ihnen ſchafft jene Begeiſterung, die, wie ſie dem jugendlichen Dichter ſegnend und beglückend das Herz läuterte und ſtärkte und den Blick ſchärfte, daß er unermüdlich forſchend in der reichen Lebensgeſchichte ſeines Volkes überall das ächte Gold er⸗ kannte und froh bewegt aus den Schlacken wieder zu Tage för⸗ derte, auch den gereiften Mann im heißen Kampf mit einer feindſelig kalten Gegenwart feſt und treu wurzeln ließ an der Stelle, die er mit innerſter Ueberzeugung einnehmen mußte, und dem Greiſe das freudige, unerſchütterliche Vertrauen verlieh auf das Walten Gottes im Leben der Völker wie jedes Einzelnen, ein Vertrauen, das ſein letztes Gedicht auf den Tod eines Kindes ſo rührend ſchön ausſpricht: 1 Du kamſt, Du gingſt mit leiſer Spur, Ein flücht'ger Gaſt im Erdenland; Woher? Wohin? Wir wiſſen nur: Von Gottes Hand in Gottes Hand. Wie er in„Des Sängers Fluch“ von dem Alten und Jungen ſagt, ſo ſingt er ſelbſt „——— von Lenz und Liebe, von ſel'ger, gold'ner Zeit, Von Freiheit, Männerwürde, von Treu' und Heiligkeit; Er ſingt von allem Süßen, was Menſchenbruſt durchbebt, Er ſingt von allem Hohen, was Menſchenherz erhebt.“


