Aufsatz 
Das Christentum und die neuere Sprachwissenschaft
Entstehung
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des Alterthums, Ariſtoteles, über dieſe Aufgabe ausdrückt.*)„Es ſei“, ſind ſeine Worte,„eine allgemeine Annahme, daß die Philoſophie, die göttlichſte und ehrwürdigſte aller Wiſſenſchaften es zu thun habe mit den erſten Urſachen und Principien der Dinge; ihre eigentliche Aufgabe ſei, die unſichtbaren Urſachen der ſichtbaren Dinge, den innerſten Weſensgrund nicht dieſes oder jenes, ſondern alles Seienden überhaupt, kurz die der geſammten Erſcheinungswelt vorangehen⸗ den und zu Grunde liegenden ſubſtanziellen Urſachen zu erforſchen. Die Menſchen, und zwar grade die edleren und großherzigen am meiſten, haben einen angebornen Wiſſenstrieb, Kunſtſinn und vernünftiges Denken und eine Freude am Verſtehen und Wiſſen, nicht irgend eines gemeinen Nutzens, ſondern um ſeiner ſelbſt willen. Wirklich zu wiſſen aber glauben wir erſt dann, wenn wir auf die erſten Urgründe gekommen ſind, von denen alles Uebrige abhängt. Mögen daher alle andern Wiſſenſchaften nothwendiger ſein, als die Philoſophie; beſſer als ſie iſt keine. Die diesſeitige ſinnliche Welt, die uns umgibt, iſt in beſtändigem Werden, Entſtehen und Vergehen begriffen; aber dieſe Welt iſt ein ſehr kleiner Theil des Weltalls; ſie zu erforſchen kann dem Geiſt des Menſchen nicht genügen; der Menſch, der entweder allein, oder doch jedenfalls am meiſten unter allen uns bekannten lebendigen Weſen, an dem Göttlichen Theil hat, will über dieſe ver⸗ änderliche Welt hinaus, auch das Ewigſeiende erkennen. Es iſt ganz unſtatthaft, von der Natur des Diesſeits aus, welches immer veränderlich, nie ſich gleichbleibend iſt, ein entſchei⸗ dendes Urtheil über die Wahrheit fällen zu wollen; nur aus dem ewig ſich Gleichbleibenden und keinem Wechſel Unterworfenen muß man das Wahre zu erforſchen ſuchen“. Und mit dieſem Zeugniſſe des großen griechiſchen Weiſen ſtimmen die tiefſinnigſten und weiſeſten Männer aller Jahrhunderte überein. Sie alle aber gehen von der Ueberzeugung aus, daß in den Dingen der Welt eine objektive Vernunft ſei, und daß die ſubjektive Vernunft in uns fähig ſei, die objektive außer uns zu erkennen. Dies kann aber nur dann mit Sicherheit angenommen werden, wenn beide, die objektive Vernunft außer uns und die ſubjektive Vernunft in uns einander homogen und das Werk einer einzigen höchſten Vernunft ſind. Ohne dieſe allen übrigen vorausgehende Wahrheit, das wahre d6 0 05 021, iſt weder Philoſophie, noch irgend eine andere Wiſ⸗ ſenſchaft möglich. ²)

¹) Ariſtoteles, met. I. 2. 23; I. 1. 25; 1. 9. 36; II. 1. 6, 8; I. 1. 6; I. 2. 11; II. 2. 14; I. 2. 29; IV. 5. 32; XI. 6. 12. 3

²)„Wären die Geſetze der Vernunft nicht in der Natur, ſo würden wir uns vergebens bemühen, ſie ihr aufzudringen; wären die Geſetze der Natur nicht in unſerer Vernunft, ſo vermöchten wir nicht, ſie zu begreifen.“ Oerſtedt, der Geiſt in der Natur I. S. 4. Fragen wir aber nach der Urſache hiervon, daß ſich gleiche Geſetze in der Natur und in dem Geiſte finden, und daß ſie in der Erkenntniß ſich vereinen; ſo können wir nur ſagen, daß beide eine höhere gemeinſame Urſache haben, eine Urvernunft, die zugleich Urkraft iſt, mit einem Worte: Gott.

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