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und überraſchendſten Blicke in das Weſen und die Natur des Geiſtes überhaupt und die Eigenthümlichkeit jedes Volksgeiſtes insbeſondere. Da nämlich die Wörter nicht die unmittelbaren Abdrücke der Gegen⸗ ſtände und Wahrnehmungen der Innen⸗ und Außenwelt, ſondern Verkörperungen der Vorſtellungen ſind, welche ſich der Menſch von ihnen in ſeinem Geiſte bildet; ſo iſt in jeder Sprache die Art und Weiſe, wie ein Volk die Dinge auffaßt, mit einem Worte ſeine Weltanſchauung auf dem Standpunkte der Vorſtellung ausgeprägt. Wie aber auf der einen Seite die Maſſe der Wörter den Umfang ſeiner geiſtigen Welt, ſo offenbart andererſeits ihr grammatiſcher Bau ſeine Anſicht vom Organismus des Denkens. Indem ſomit die Sprache das Werk der Geſammtthätigkeit des Volksgeiſtes iſt, bei dem ſich alle Vermögen deſſelben von der Sinnlichkeit an bis zur Vernunft hinauf gleichmäßig bethätigen; ſo tritt uns in der Orga⸗ niſation jeder Sprache der Geſammtorganismus des Voltsgeiſtes, ſein geiſtig⸗gemüthliches Gepräge, wie es von Gott gegeben und gewollt, und ſo zu ſagen, die Miſchung und das Verhältniß ſeiner geiſtigen Anlagen und Vermögen in leuchtenden, unverkennbaren Zügen entgegen. In Laut und Wortbildung, in Akcent und Rhyth⸗ mus, in ſchlichtem Ausdruck und Metapher, in Form und Wendung des Gedankens und der Gedankenverbindung ſtellt ſie das reinſte, innigſte, weil geiſtigſte Abbild des einen Individuums, Stammes und Volkes hörbar und fühlbar vor den äußeren Sinn. Stehen demnach die Geiſteseigenthümlichkeit und die Sprachgeſtaltung eines Volkes in der größten Innigkeit der Verſchmelzung und wirkt die Sprache, ſowie ſie aus der Volksindividualität hervorgegangen, auf dieſelbe fördernd und erhaltend zurück; ſo liegt in der Sprache das ſtärkſte Band eines Volkes und in ihrer Pflege das kräftigſte För⸗ derungsmittel der Nationalität.„Die tiefſten Bedürfniſſe unſeres inneren Menſchen können wir nur in unſerer Heimathſprache, die mit unſern Anſchauungen zugleich aufgewachſen, ganz und gar aus⸗ 2*


