Aufsatz 
Zur Frage der Probanden-Ausbildung / August Waldeck
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ebenſo gut gelehrte Schulmänner entwickeln, wie ſich gelehrte Philologen ſchon jetzt daraus entwickelt haben.

Sollte nun nicht ein ſolcher Inſtruktor, der als ſelbſt für die Klaſſen verantwortlicher Lehrer mitten in der Praxis ſteht und dabei durch ſeine Aufgaben ſelbſt zu immer tieferer wiſſenſchaftlicher Durchdringung derſelben, zur Wahrnehmung und Verwertung aller didaktiſchen Fortſchritte genötigt wäre, deſſen Auge für die Fehler der Probanden und die angemeſſenſte Art ihrer Verbeſſerung durch die ſtete Übung ſich ſchärfen würde, ſollte der nicht geeigneter ſein, dieſelben nicht nur zur metho⸗ diſchen Behandlung ihres Stoffes, ſondern auch zu der notwendigen didaktiſchen Selbſterziehung anzuleiten, als ein Profeſſor, deſſen Beruf ſein Denken und ſein Intereſſe auf die rein wiſſenſchaft⸗ liche Seite der Pädagogik hinweiſt, deſſen Vorträge alſo auch naturgemäß mehr ſtreng wiſſenſchaftliche als praktiſche ſein würden; der bei der Vielſeitigkeit ſeiner Aufgaben und der Menge der ihm unter⸗ ſtehenden Candidaten den einzelnen kaum kennen lernen, und ſtatt ſeine Fehler zu ſtudieren und ſeine Entwicklung zu leiten, ihm bei ſeinen ſpärlichen Übungen höchſtens im Vorübergehen einen gelegentlichen Wink geben könnte? Und wenn endlich Rein mit vollem Rechte meint, der An⸗ fänger müſſe auf einem Felde und in einem Kreiſe wirken, welcher gleichſam mit pädagogiſchen Lebenskeimen durchſetzt iſt, ſo wird ein ſolcher Kreis in dem Lehrerkollegium jeder Schule gegeben ſein, und dieſer iſt, weil enger und geſchloſſener, vielleicht wirkſamer, als das vielſeitige wiſſen⸗ ſchaftliche, aber auch zerſtreuende Leben einer Univerſität, wo überdies mancher Probandus noch mehr in den gewohnten ſtudentiſchen Intereſſen weiter leben würde als in ſeinen neuen pädagogi⸗ ſchen. Der vielſeitigen wiſſenſchaftlichen Eindrücke und Anregungen hat er einſtweilen genug, jetzt bedarf er der ruhigen Einkehr in ſich und der geſammelten Vertiefung in ſeinen Beruf. Und wenn er auch nicht ſofort zum Philiſter werden ſoll, ſo muß doch der Student ausgezogen ſein, ſobald die ernſte Arbeit des Erziehers beginnt.

Nun ſind ſolche auf kleine Seminare an vielen Schulen hinzielende Vorſchläge ſchon von ver⸗ ſchiedenen Seiten gemacht, aber ſoweit ich dieſelben kenne, laufen ſie alle auf eine Mehrheit von Inſtruktoren hinaus. Wenn der Probandus auf 5 bis 6 Lehrer angewieſen iſt, von denen keiner das volle Bewußtſein der alleinigen Verantwortung trägt, keiner den einzelnen genügend kennen lernt, welche nimmermehr nach einheitlichem Plane arbeiten werden, unter der Oberleitung eines Direktors, dem ſeine übrigen Geſchäfte keine Zeit laſſen, ſich ſelbſt eingehend um die Probanden zu kümmern, werden ſie da in weſentlich anderer Lage ſein als jetzt? Sie werden vielleicht mehr hoſpitieren, aber vom bloßen Zuſehen lernt niemand eine Kunſt; ſie können die verſchiedenſten ein⸗ zelnen Winke und gute Lehren erhalten, aber von einer planmäßigen Erziehung und Einführung in die Technik kann nicht die Rede ſein, und die Vorträge des Direktors werden ihnen nicht viel anderes bieten können als was ſie in den verſchiedenen Lehrbüchern auch finden. Und wie viele der glücklichen Schulen werden da ſein, wo ſich 5 bis 6 zu Inſtruktoren geeignete Lehrer zuſammen finden? Es würde dies alſo nichts weſentlich anderes ſein als das bisherige Verfahren, während ein Einziger, der ſeine ganze Zeit und Kraft dieſer Aufgabe widmete, ganz andere Reſultate erzielen müßte. Schließlich weiſe ich noch darauf hin, daß eine ſolche Einrichtung durchaus keine neuen Organiſationen erforderte, daß man damit ohne weiteres vorgehen, und wenn ſich mit der Zeit ein zweckmäßigerer Modus finden ſollte, dieſelbe eben ſo leicht wieder beſeitigen könnte.

=NR;