36
höhere Bürgerſchule fiel auf den 18. April und wurde Tags darauf den Aspiranten das Reſultat der⸗ ſelben bekannt gemacht. Da die Stellen der drei abgehenden Lehrer noch nicht beſetzt waren, ſo mußte die Eröffnung der höheren Bürgerſchule noch einige Tage verſchoben werden. Sie geſchah am 22. April, wobei der Rector der ausſcheidenden Lehrer dankbar gedachte; doch konnte der Unterricht am 23. nur nach einem proviſoriſchen Lectionsplane beginnen, weil die unterdeß von Weilburg und Hadamar einbe⸗ rufenen, durch Herzogliche Landes⸗Regierung an die höhere Bürgerſchule verſetzten Lehrer nicht ſogleich einzutreten im Stande waren. Erſt am 1. Mai konnte die Schule die neuen Collegen und Lehrer, die Herren Conrector Wagner, Collaborator Dr. Krebs ünd Candidat Schenck, feierlich willkommen heißen. Am 6. Mai wurde Herr Lehrer Zollmann in ſeine Dienſtſtelle an der Vorbereitungs⸗ ſchule eingeführt.
Indeſſen ſollte die höhere Bürgerſchule um dieſe Zeit einen herben Verluſt erleiden. Der Lehrer der franzöſiſchen Sprache, Herr Henry, war ſchon am 25. April, anſcheinend leicht, erkrankt, ſtarb aber in Folge einer ſich raſch entwickelnden Lungenentzündung am Morgen des Himmelfahrtsfeſtes, den 9. Mai, 4 ½ Uhr, in einem Alter von faſt 32 Jahren. Lehrer und Schüler geleiteten ihn zum Grabe den 11. Mai, Nachmittags 4 Uhr. Die Trauerfeier für den Hingeſchiedenen beging die Schule Montag den 13. Mai. Der Verſtorbene hatte ſeit der Begründung der Schule Oſtern 1857 an der⸗ ſelben gewirkt und war ſeit Oſtern 1860 zur definitiven Anſtellung gelangt. Der raſtloſe Eifer und unermüdliche Fleiß, mit welchen er den Arbeiten ſeines Berufes oblag, das unausgeſetzte Beſtreben, den eigenen Sinn für ſtrenge, ſaubere Ordnung und pünktliche Leiſtungen den Schülern einzupflanzen. das lebhafte Intereſſe für ihre Fortſchritte und für das Wachsthum ihrer Kenntniſſe, das nicht geringe Geſchick, durch mannichfache und ſtufenweiſe Uebungen ſeine Zöglinge in den Beſitz der möglichen Fer⸗ tigkeit ſchriftlicher und mündlicher Handhabung des Franzöſiſchen zu ſetzen, der thätige und erfolgreich wirkſame Antheil, den er von Anfang an bis zuletzt an dem Gedeihen der jungen Anſtalt nahm, die Zuverläfſigkeit ſeines Charakters, der zwar ſchwer Vertrauen faßte, aber gefaßtes feſthielt und auf ihn geſetztes nicht täuſchte, die kluge Umſicht in der Behandlung der gewöhnlichen Lebensverhältniſſe— dieß Alles waren Eigenſchaften, deren Werth für die Schule und alle Diejenigen, welche ihn näher kannten, durch eine gewiſſe Herbheit und Schärſe um ſo weniger gemindert werden konnte, da auch dieſe theils in dem entſchloſſenen Willen, rückſichtsloſe Gerechtigkeit zu üben, theils aber auch in der ſchon ſeit längerer Zeit innerlich angegriffenen Geſundheit eine leider nur zu ſehr beſtätigte Begründung fan⸗ den. Sein Gedächtniß bleibe unter uns, und die Erde ſei ihm leicht!
Die Pfingſtferien dauerten vom 18. bis 27. Mai. Am 2. Juli ſtarb der Schüler der zehnten Klaſſe Karl Wilhelm Behrens, Sohn des hieſigen Bürgers und Gaſtwirths Gottfried Behrens. Das Geburtsfeſt Seiner Hoheit des Herzogs wurde am 24. Juli unter Beiwohnung des Lehrercolle⸗ giums durch Geſänge der verſammelten Schüler und durch eine Anſprache des Rectors gefeiert. Die Herbſtprüfung fand für die Oberklaſſen den 9. und 10., für die Vorbereitungsklaſſen den 10. und 11. September ſtatt. Das Winterſemeſter nahm für die höhere Bürgerſchule den 10. October ſeinen An⸗ fang, wobei zugleich der neue Lehrer der franzöſiſchen Sprache, Herr Magnin, in Schule und Amt eingeführt wurde. Die Vorbereitungsſchule begann den Wintercurſus am 11. October. Die Weih⸗ nachtsferien dauerten vom 24. December 1861 bis zum 3. Januar 1862.


