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Frevel der Kirchenschändung eine schwere kirchliche Strafe folgte; die würde das Volk vollends mutlos gemacht haben. So blieb die Missetat von Seiten des Papstes ungerügt; Burchards schlaue Politik trug gute Früchte. Wenn er diesen Brief, der ihn des Segens des Papstes versicherte, seinen verzagenden Freunden mitteilte, wenn das Volk erfuhr, dass der Papst keinen Zorn kenne, so musten sie wohl wieder Vertrauen zu ihrer eignen Sache gewinnen und neuen Mut schöpfen zum Widerstande. Der mächtige Bundesgenosse, den sich Burchard geworben, war, wie wir sehen, schon jetzt von der grösten Wichtigkeit, wenngleich derselbe seine unmittelbare Unterstützung erst später ihm zu Teil werden lassen konnte. Fast scheint es indess, als wäre Burchards Eifer für die Pläne seines Verbündeten gerade in der nächsten Zeit etwas erkaltet. Eine im Früjahr 1075— zu der Zeit, wo verschiedene sächsische Fürsten den König und seine Anhänger vergeb- lich um Zusicherung des Friedens angiengen— an den Halberstädter Bischof erlassene Bulle des Papstes, in welcher auf die mit den päpstlichen Legaten im Vorjahre gepflogenen Verhand- lungen Bezug genommen wird, ist, obwohl Burchard„frater carissime“ angeredet wird, in einem ziemlich gemessenen Tone gehalten, keine Spur von Zuneigung, keine Andeutung von intimeren Bezichungen, besonders wenn man das in gleicher Angelegenheit und an gleichem Datum an Anno erlassene Sendschreiben daneben hält. Burchard wird darin aufgefordert, mit aller Strenge auf Beseitigung der Priesterehe in seinem Sprengel hinzuwirken. Dann heisst es in dem päpstlichen Schreiben:„Si fratrum nostrorum exhortatione monitus in id opus manus continuo misisti, ad hoc valebunt litterae, ut sicut dicitur, currentem currere concitatius impellamus; sin autem huc usque cessasti, somno torporis espulso, ad evigilandum stimulo increpationis te excitemus.— His si vi- gilanter institeris, et inoboedientiae culpam poteris evadere et a Domino praemium tibi multiplex et indeficiens comparare.“*⁴) So würde Gregor kaum geschrieben haben, wenn er nicht eine be- sondere Anspornung für nötig hielt. Burchard hatte wohl, durch Neubelebung des Sachsenauf- standes zeitweise mehr als durch seine bischöfliche Tätigkeit in Anspruch genommen, es an eifriger Tätigkeit für die nächsten Zwecke der päpstlichen Politik fehlen lassen, und Gregor, der einen solchen Helfer nicht erlahmen sehen wollte, trieb ihn bei Zeiten an. Jmmerhin gibt auch dieser Brief Zeugniss davon, welch grosses Gewicht man in Rom auf Burchard legte.
Nach Heinrichs Rückkehr aus Ungarn im Oktober 1074 wurden mit neuem Eifer die Vorbereitungen zum Kriege gegen Sachsen betrieben, welche den Winter in Anspruch nahmen. Noch einmal— um Ostern 1075— bot der König den Empörern seine Gnade— der Erzbischof von Magdeburg scheint endlich bei seinen Freunden im königlichen Lager mit seinen Bitten durch- gedrungen zu sein—; doch die Rädelsführer sollten ihm ausgeliefert werden. Heinrich kannte sie wohl; vor allen andern verlangte er Burchard und Otto von Nordheim. Allein auch jetzt stellten sie wieder Bedingungen; sie konnten wieder zuversichtlicher sprechen, das Volk war wieder mutiger, Burchards Wühlereien, des Königs Abwesenheit hatten das ihre getan: sie wollten kommen, er- klärten die von Heinrich geforderten Grossen, nicht sich dem Könige zu übergeben, sondern von ihm einem Gerichte von Fürsten beiderlei Standes vorgeführt zu werden. Das gab den Ausschlag; die Verhandlungen wurden abgebrochen, das Reichsheer auf den 8. Juni nach Breitungen an der Werra zusammenberufen. An dem festgesetzten Tage sammelte sich das Heer, so zahlreich, so glänzend, so wohlgerüstet, wie das deutsche Reich kaum je eins gesehen hatte. Die Sachsen, die sich nun auf das Glück ihrer Waffen angewiesen sahen, liessen sich von der herannahenden Ge- fahr nicht unvorbereitet finden. Der König wollte möglichst schnell den Feind treffen, wo möglich ihn überraschen, und ein verstärkter Tagemarsch brachte ihn bis in die Gegend von Hohenburg


