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Dieser Ausschuss wühlte in seiner ersten Sitzung den Realschuldirektor zum Vor- sitzenden. Bürgermeister Bornhäusser zu seinem Stellvertreter, Reallehrer Kahl zum Schrift- führer und Kaufmann Trautmann zum Rechner und gliederte sich behufs Teilung der Arbeit in mehrere Unterausschüsse. Der Gesamtausschuss hielt 5 Sitzungen ab, die Einzelaus- schüsse je nach Bedürfnis. Alle Beteiligten unterzogen sich der ihnen gewordenen Aufträge mit Liebe und Eifer; insbesondere entwickelte der Schriftführer eine sehr ausgiebige Thätig- keit, um die Adressen aller alten Schüler zu ermitteln, damit ihnen das Einladungsschreiben und das Festprogramm zugesendet und die nötigen Angaben im Schülerverzeichnis der Festschrift(s. daselbst) gemacht werden konnten. Das erstere Schreiben, unterzeichnet vom gesamten Festausschuss, wurde im Februar, das endgültige Programm Mitte März an sämtliche früheren Lohrer und Schüler versandt; ausserdem wurden durch den Jahres- bericht alle Eltern der Schüler und alle Freunde der Anstalt, sowie alle hessischen und alle benachbarten höheren Lehranstalten eingeladen.
Je näher der Festtag herannahte, desto allgemeiner wurde die Teilnahme, was be- sonders auch dadurch zum Ausdruck kam, daes die Mittel zu einer würdigen Feier durch freiwillige Beitrüäge in der kleinen, gerade nicht wohlhabenden Stadt vollständig aufge- bracht wurden. Waren doch allein für die in 1600 Exemplaren gedruckte Festschrift, die jedem Festteilnehmer zur Verfügung stand, etwa 600 Mark erforderlich. Und dass bei den alten Schülern der Gedanke auf fruchtbaren Boden gefallen war, zeigte sich in der grossen Zahl freundlicher Zuschriften früherer Schüler und Lehrer und in den reichen Zuwendungen für die geplante„Jubiläumsstiftung“.
II. Fackelzug und Festkommers.
Wer am Nachmittag des 2. April 1897 durch die Strassen der Stadt Wimpfen ging, war erstaunt über den reichen Schmuck, in dem die ganze Stadt prangte. Kein Haus ohne Fahnen uad Fähnchen, bunte Lampions und blumendurchflochtene Guirlanden, kein Haus, das sich nicht mit dem dunklen Grün der Fichte geschmückt hätte. Kein Wunder, dass sich der im Laufe des Nachmittags ankommenden Gäste trotz des nicht besonders günstigen Wetters sofort eine fröhliche Stimmung bemächtigte, die von Stunde zu Stunde wuchs.
Um 8 Uhr bewegte sich, geleitet von den Herren Oberamtsrichter Sander und Kaufmann O. Muckh, unter Vorantritt der Stadtkapelle ein imposanter Fackelzug durch die reich illuminierten Strassen der Stadt, die mit ihren hohen, vielfensterigen Giebelhäusern für eine Illumination wie geschaffen sind. Allen Festteilnehmern wird das Bild unver- gesslich bleiben.
Auf dem geräumigen Marktplatz nahm der gesamte Fackelzug Aufstellung und Herr Heinrich Bornhäusser, ein Schüler des ältesten Jahrgangs und Mitglied des Fest- ausschusses, hielt folgende Ansprache:
„Hochverehrter Herr Direktor, hochverehrtes Lehrerkollegium! Von Nah und Fern haben sich heute die ehemaligen Schüler der Realschule Wimpfen zusammengefunden, um das silberne Jubiläum der Anstalt würdig zu feiern.
25 Jahre sind verflossen, seit die Realschule Wimpfen gegründet ward, aus kleinen Anfängen heraus hat sie sich allmählich und uater Schwierigkeiten und Drangsalen jeg- licher Art zu dem ent wickelt, was sie heute ist.


