Vorwort.
Wenn es die Aufgabe der Schule ist, die Resultate der Wissenschaft für den Unterricht nutzbar zu machen, so muss auch der Sprachunterricht die Ergeb- nisse der Sprachwissenschaft verwerten und zwar auch auf dem Gebiete der Wort- kunde, auf dem dies bisher nach der Ansicht des Verf.'s noch nicht in genügendem Masse geschieht, obgleich gerade dieser Teil der Sprachwissenschaft auch für den Schüler des Anregenden mehr bietet als die Formenlehre und die Syntax.
Der Verf. hat in seinen kleinen Schriften die Verwertung der Etymologie im Unterricht lebhaft befürwortet und die Möglichkeit der Durchführung an prak- tischen Beispielen zu zeigen versucht. Das vorliegende Werk verfolgt den Zweck, den Wortschatz der lateinischen Schulschriftsteller nach Wortfamilien zu ordnen und etymologisch zu erklären. Über den Wert solcher Zusammenstellungen vgl. das in dieser Hinsicht epochemachende Werk von Liebich„Die Wortfamilien der lebenden hochdeutschen Sprache“, Breslau 1899, 2. Aufl. 1905, und die Anerken- nung, die es bei Hirt„Etymologie der neuhochdeutschen Sprache“, München 1909, gefunden hat. Hirt sagt S. 29:„Wer sich irgend eine grössere Sippe hernimmt und den einzelnen Gliedern sorgfältig nachgeht, wird durch neue Erkenntnis und das tiefere Eindringen in den Bau der Sprache reiche Anregung erhalten.“ Zu- sammengestellt ist der Wortschatz nach Menge's lateinischem Schulwörterbuch, auch die Bedeutungen sind nach diesem angegeben; natürlich konnten nicht alle Bedeutungen angeführt werden; denn das Werk soll nicht ein Lexikon ersetzen, sondern eine Ergänzung dauzu sein.
Das Ableitungsverhältnis der einzelnen Glieder einer Wortfamilie hat der Verf. durch Einrücken der abgeleiteten Wörter deutlich zu machen gesucht. Die Anmerkungen, die den einzelnen Wortfamilien hinzugefügt worden sind, sollen dazu dienen, die Etymologie der Wortsippen und der einzelnen Glieder derselben durch Anführung der urverwandten Wörter aus dem Deutschen und dem Griechischen zu veranschaulichen und durch Anführung der wichtigeren Fremd- und Lehnwörter für den Sprachunterricht Material zur Anknüpfung zu liefern. Besonderen Wert legt der Verf.— und hofft dabei die Zustimmung der Fachgenossen zu finden— auf die Heranziehung von Parallelen, besonders von Bedeutungsparallelen; ferner werden bei einigen Wörtern kulturhistorische Bemerkungen nicht unwillkommen sein.


