Mathematisch-physikalische Miscellen II.
Theorie des Horizontalpendels.
Herr F. Zöllner hat in seiner Abhandlung züber den Ursprung des Erdmagnetismus und der magnetischen Beziehungen der Weltkörper-(Berichte der Königl. Sächs. Gesellsch. der Wissensch. S. 479— 575, auszugsweise in Poggendorff's Annalen, Bd. 150, S. 134 ff.) über ein im Jahre 1830 von Lorenz Hengler in München erfundenes und im 43. Bande von Dingler'’s Polytechn. Journal (Jahrgang 1832) S. 81— 92 beschriebenes Instrument zum Messen jeder auch noch so geringen Kraft, welche nicht in paralleler Richtung mit der Schwere wirkt-⸗, welches mittlerweile gänzlich in Ver- gessenheit gerathen war, Nachricht gegeben. Weil er dasselbe wirklich zu dem bezeichneten Zwecke sehr dienlich fand, liess er es construiren und stellte damit Beobachtungen an, welche die Möglichkeit darthaten, mit demselben die Massen und Entfernungen des Mondes und der Sonne direct zu bestimmen und noch vielerlei andere feine Messungen vorzunehmen; es ergab sich dabei freilich, dass das In- strument von zufälligen Störungen, wie Erschütterungen des Erdbodens, Luftzug u. dgl. so sehr beein- flusst wird, dass nur die Aufstellung in einem tiefen Erdschachte und hermetischer Verschluss einige Garantie für zuverlässige Resultate geben kann; demazufolge ist dasselbe in dem 80— 100 Fuss tiefen Brunnenschacht des neuen Observatoriums zu Potsdam untergebracht worden(vgl. Klein Vierteljahrs- Revüe der Naturwissenschaften, Jahrgang 1875, Heft I., S. 2).
Das Instrument besteht aus einer an 2 gleichlangen, in der Gleichgewichtslage vertikalen Fäden ab und a“tb“(siehe nebenstehende Figur) derart horizontal aufgehängten Stange, dass der eine Faden
5 ab das eine Ende a der Stange mit einem festen Punkte 5 des Erd- bodens oder Stativs verbindet, während der andere Faden ab“ von einem nahe an demselben Endpunkt der Stange liegenden Punkt a“ derselben zu einem über derselben befindlichen festen Punkte 5“ hin- geht. Da der Schwerpunkt der Stange in der Figur rechts von a“ bei g liegt, so wird jede horizontale Kraft dieselbe aus ihrer Gleich- gewichtslage ablenken können, sobald nur die Empfindlichkeit des. Instruments gross genug ist, eine Bedingung, die leicht durch Ver- kleinerung der Distanz aa' erreicht werden kann. Das Instrument
macht dann Schwingungen in horizontaler Richtung, welche, wie wir sehen werden, demselben Gesetze folgen, wie die in vertikaler Ebene stattfindenden Schwingungen eines gewöhnlichen Pendels, und führt
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