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reiche Sprache ¹) der dramatiſchen Situation, den Styl dem Gegenſtand, die Worte den Ereigniſſen anzupaſſen. Man rühmt dieſe Kunſt mit Recht an den Griechen und in der That, in den hochpoetiſchen Chorgeſängen, welche durch die Harmonie der Sprache wie Muſik erklingen, und in dem einfachen Dialog, welch' ein Reichthum der Diction! Muſik und Poeſie beherrſchten die Sprache der griechiſchen Tragödie, Poeſie und Natur jene des Shakſpeare'ſchen Theaters; und wie das lyriſche Versmaß bei den Griechen mit dem der Jamben wechſelte, ſo geht bei Shakſpeare der tragiſchen Situation gemäß die Sprache von der gebundenen zur ungebundenen Rede über. Von ſeinen tiefſinnigen Monologen zu den muth⸗ willigen Witzeleien des Dienertroſſes; von den wohlgeordneten Reden der Helden zu den gemeinen Con⸗ verſationen in den Straßen; vom erhöhten Pompe poetiſcher Schilderung zum naiv⸗ſinnigen Balladenton in den Stanzen der unglücklichen Ophelia, welch' reiche Nüancirung des Styls und der Sprache! Shakſpeare's Werke ſind ein Compendium ſo vieler Stylarten, als Charaktere und Leidenſchaften in denſelben ſind, und wenn Originalität des Styls ein untrügliches Kennzeichen des Genie's iſt, ſo muß der Dichter in dieſer Beziehung an die Spitze der dramatiſchen Schriftſteller aller Zeiten geſtellt werden.—
Shakſpeare's ängſtliches Bemühen, die Sprache in vollkommnen Einklang zu bringen mit den Charakteren und Leidenſchaften die er zeichnete, hat den Dichter zuweilen zu jener laxeren Ausdrucks⸗ weiſe, jenen Sentenzen à double eptente, geführt, welche ein moderner Geſchmack als unvereinbar mit guten Sitten zurückweiſt. Mit Ehrfurcht und religiöſen Gefühlen erfüllt, pflegte der griechiſche Jüng⸗ ling, die griechiſche Jungfrau dem tragiſchen Spiel zu lauſchen. Des Griechen harmoniſcher Sinn, der eine Verſchmelzung verſchiedenartiger Elemente nicht duldete, hatte alles Obſcöne, das ſonſt, wie wir wiſſen, weder der griechiſchen Literatur noch dem griechiſchen Leben(Bakchusfeſte) fehlte, der muthwilli⸗ gen Laune der Komoͤdie überlaſſen. Die Miſchung der ernſten und komiſchen Ekemente einmal zuge⸗ geben, müſſen wir es uns gefallen laſſen, zuweilen, doch nicht in allen Stucken, bei Shakſpeare jenes Ariſtophaniſche Salz mit der tragiſchen Würde eines Sophokles vereint zu finden. Uebrigens iſt es bekannt, Shakſpeare ſchrieb in einer durchweg weniger prüden, naturwüchſigeren Zeit, ſonſt hätte nicht die Königin Eliſabeth die beiden Dramen Heinrich’s IV. lieb gewinnen, noch eine Fortſetzung der Rolle des Falſtaff wünſchen konnen ²).
Dem Geiſte der Zeit entſprachen denn auch die in einzelnen Stücken Shakſpeare’s häufig vor⸗ kommenden Wortſpiele ²). Sie ſind ſo tief in der Eigenthümlichkeit der engliſchen Sprache begrüder.
Curling their monstrous heads, and hanging them Das ungeheure Haupt, und hängen ſie
With deaf'ning clamours in che slip'ry shrouds, Mit tobendem Geſchrei ins glatte Tanwerk, That, with the hurley, death itself awakes? Daß vom Getümmel ſelbſt der Tod erwacht? Can'st thou, O partial sleep, give thy repose 1 Gieuſ du, o Schlaf, parteiiſch deine Ruh
To the wet sea-boy in an hour so rude? Dem Schifferjungen in ſo ratther Stunde,
And, in the calmest and the stillest night, Und weigerſt in der ruhig ſtillſten Nacht
With all appliances and means to boot, Bei jeder Förderung ſie einem König?
Deny it to a King? then happy low! lie down; So legt, ihr Niedern, nieder euch, beglückt; Uneasy lies the head, that wears a crown. Schwer ruht das Haupt, das eine Krone drückt.
1) Man nimmt an, daß die Zahl der in der gewöhnlichen Sprache üblichen Wörter nicht mehr als 3000 beträgt. Dieſe Zahl ſteigt in Milton auf 7000, in Sh. auf mindeſtens 21,000. Kein älterer oder neuerer Schriftſteller in Eaglent verfügt über eine gleiche Anzahl von Wörtern, wie Sh. Vgl. Craik, 1 c. pg. 564, Note.
2) Reed's Sh. vol. I. pg. 66. 2
3) Auch bei den griech. Tragikern finden ſich einige Beiſpiele derſelben, ſo bei Aesobplus: AFau v. 696, wo FEhtvas anklingt an Wpess(die Schiffraubende), vgl. Schuetz, Aesch. II. pg. 145; ibid. v. 706: u 0 mit Doppel⸗


