der Eliſabeth'ſchen Aera eigen, und welche an den nur erſt halbüberwundenen Lyly'ſchen Euphuismus mit ſeiner geſchraubten Phraſeologie und ſeinem Concepten⸗ und Antitheſenſtyl erinnern¹); er hat unter anderm in Romeo und Julie bei mehreren Scenen im Streben, der raſchbewegten, ſprühenden Phan⸗ taſie der Italiener einen entſprechenden Ausdruck zu verleihen, ſich eine geſpreizte Sprache erlaubt, Fehler in der That, welche deutſche Kunſtrichter, die auch wohl einmal an einer Abgeſchmacktheit eine Schönheit zu entdecken glauben, nicht genug, wie uns dünkt, hervorgehoben haben. Wen die Muſe mit Vorzügen, wie ſie Shakſpeare in ſo reichem Maße beſitzt, ausgeſtattet hat, dem darf ſich die Kritik mit ſtrengerem Maßſtabe nähern. Aber, rechnen wir die angegebenen Fehler ab, ſo können wir die unerreichte Meiſterſchaft nur bewundern, mit welcher der Dichter die Sprache gehandhabt hat, eine Meiſterſchaft, welche ſeine Zeitgenoſſen ſchon mit Nachdruck hervorgehoben haben ²). Jener Korrektheit, Feinheit, Glätte, Harmonie und Anmuth der Sprache der griechiſchen Tragödien gegenüber, zeichnet Shakſpeare eine plaſtiſche Diction voll Kühnheit, Energie und Fülle aus ³). Er beſaß die Kunſt ſeine
1) Blount, der einige der Werke Lyly's herausgab, ſagt über dieſen Schriftſteller in der Vorrede vom Jahre 1632: „Unſere Nation verdankt ihm ein neues Engliſch, das er ſie durch ſeinen Euphuismus lehrte. Alle unſere Damen waren ſeine Schülerinnen, und die Schöne am Hofe, welche nicht Euphueſiſch parliren konnte, wurde ſo über die Achſel angeſehen, wie jetzt diejenige, welche kein Franzöſiſch ſpricht.“ Bgl. Craik, Hist. of Engl. literat. and the Engl. langnage, vol. 1. pg. 471. Wir laſſen eine Probe dieſes Styls folgen:„Sie iſt die Blume der Höflichkeit, das Gemälde der Würde, eine, die Venus beſchämt, da ſie etwas ſchöner und bei weitem tugendhafter iſt, und Diana verdunkelt, da ſie eben ſo keuſch und viel liebenswürdiger iſt. Aber je mehr Schönheit ſie hat, deſto mehr Stolz, und je mehr Tugend, deſto mehr Zurückhaltung. Der Pfau iſt ein Vogel für Niemand als Veſta, Keiner muß Venus auf dem Schilde tragen, als Alexander, keiner Pallas in einem Ringe, als Ulyſſes; denn wie es nur einen Phönix in der Welt gibt, alſo gibt es nur einen Baum in Arabien, auf dem er niſtet, und wie es nur eine Camilla gibt, von der man hört, alſo gibt es auch nur einen Cäſar, von dem ſie hören will,“ u. ſ. w. Vgl. Gätſchenberger, Geſch. der engl. Lit. Bd. II. pg. 17. Derſelbe Lyly beherrſchte um das Jahr 1580 die Hofbühne. Man wird eingeſtehen müſſen, daß Sh's geſuchteſte Phraſen und Wendungen gegen jenen Styl bedeutend abſtechen.
2) Meres nennt Sh. ob der Ueberlegenheit ſeiner Diction und Verſification:„mellifluous and honeytongued Sh.“ Palladis Tamia, censura literaria, vol IX. pg. 46..
3) Wir wollen hier nur eine Stelle einſchalten, die, wie uns ſcheint, den ganzen Reichthum der Shakſpeareſchen Diction in ſich vereinigt. II. Thl. Heinr. IV, Act. III, Sc. 1:
............ O gentle sleep, ww DO Schlaf, o holder Schlaf! Nature's soft nurse, how have 1l frighted thee, Du Pfleger der Natur, wie ſchreckt' ich dich, That thou no more wilt weigh my eye-lids down, Daß du nicht mehr zudrücken willſt die Augen And steep my senses in forgetfulness? Und meine Sinne tauchen in Vergeſſen?
Why rather, sleep, ly'st thou in smoaky oribs, Was liegſt du lieber, Schlaf, in rauch'gen Hütten, Upon uneasy pallets stretching thee, Auf unbequemer Streue hingeſtreckt,. And husht with buzzing night-flies to thy slumber; Von ſummenden Nachtfliegen eingewiegt,
Than in the perfum'd chambers of the great, Als in der Großen duftenden Paläſten,
Under the canopies of costly state, Unter den Baldachinen reicher Pracht,
And lull'd with sounds of sweetest melody? Und eingelullt von ſüßen Melodie'n?
O thou dull God, why ly'st thou with the vile O blöder Gott, was liegſt du bei den Niedern In loathsom beds, and leav'st the kingly couch Auf eklem Bett, und läß'ſt des Königs Lager
A watch-case, or a common larum-bell? Ein Schilderhaus und Sturmesglocke ſeyn?
Wilt thou, upon the high and giddy mast, Verſiegelſt du auf ſchwindelnd hohem Maſt
Seal up the ship-boy's eyes, and rock his brains, Des Schifferjungen Aug', und wiegſt ſein Hirn In cradle of the rude imperious surge; In rauher, ungeſtümer Wellen Wiege,
And in the visitation of the winds, Und in der Winde Andrang, die beim Gipfel
Who take the ruffian billows by the top, Die tollen Wogen packen, krauſen ihnen


