118 VI. Abschn.: Pflanzenformationen. Kl. II.
b) Saure Wiese, Moor.
Sobald das Wasser auf der Wiese keinen Abfluſfs hat, ver- schwinden die süfsen Gräser, es treten die sauren Gräser, Carex-, Cyperus-, Juncusarten auf. Durch die stetige Durchtränkung des Erdreiches wird der Einfluſs des Sauerstoffs der Luft abgehalten und die Zersetzungsprodukte werden wesentlich andere. Es beginnt die„Verwesung unter Luftabschlufs“, welche nach längeren Zwischenzuständen eine Anhäufung des Kohlen- stoffs in Form von Torf(Braunkohle) bewirkt. (Bei periodischer Bewässerung der Wiesen findet dies nicht statt.) Von diesen Zwischenprodukten sind es die das Wasser dunkel fürbenden Humussäuren, welche die Wiesengräser vertreiben. Die sauren Gräser, die sie ersetzen, haben knotenlosen,(mit Ausnahme der Binsen) dreikantigen, markerfüllten Stengel und dreikantige, schneidende Blätter. Liegen solche Sumpfwiesen in gröſserer Höhe(Bergwiesen), so tritt als charakteristische Pflanze Eriophorum Wongras auf. Aus diesen Sumpfwiesen bilden sich je nach der Gunst der Um- stände kleinere oder gröſsere Torflager, indem die unter Wasser befindlichen halbverwesten Pflanzenteile auf den Grund sinken und den Boden für neu entstehende Pflanzen bilden. Liegen solche Wiesen so hoch, daſs das überflüssige stehende Wasser abgeleitet werden kann, so sind sie fast stets in wert- volle süſse Wiesen umzuwandeln.
c) Matte, Alpenwiese.
Bei den Alpenwiesen haben sich die Pflanzen auf den kurzen Sommer einzurichten, der zwischen dem Weggange des letzten Schnees zu Mitte Juni und dem Fallen des neuen Mitte September liegt. Nur Gräser von ganz geringer Höhenentwicklung können gedeihen, und damit haben die ausdauernden Stauden mit Blattrosetten-Entwicklung leichteres Spiel. Diese treten deshalb in groſser Zahl und Mannigfaltig- keit auf.
Das hauptsächlichste Gras, Poa alpina Muttergras, ist der kurzen Vegetationszeit dadurch angepaſst, dals es zwischen den Spelzen der Khre nicht Blüten, sondern Brutknospen entwickelt. Diese keimen bereits in der Khre, sie treiben die ersten Blättchen und das Würzelchen und können so nach dem Abfallen sofort auf dem Boden Fuſs fassen.
Die Alpenmatten sind es, welche allein in den Hochgebirgen den ausgedehnten Viehstand ermöglichen.


