Aufsatz 
Bericht über die 50-Jahrfeier der Liebig-Realschule zu Frankfurt a. M.-Bockenheim am 17. Juni 1905 / von F. Dörr
Entstehung
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gestaltet hätten, wie im friedlichen Wettkampf der Arbeit die Völker der Erde sich gegenseitig kennen und schätzen lernten wie so ein Zeitalter des Friedens allen Ländern der Erde in hoffentlich nicht allzuferner Zukunft erblühen werde es grüße schon herüber in die Gegenwart. Ein jeder solle nur beitragen, wie Goethe

sagte:Damit das Gute wirke, wachse, fromme, damit der Tag des Edlen endlich komme!

Weiterhin führte der Redner aus, wie, aus richtiger Erkenntnis der Welt und der Zeit, an erster Stelle bei unserem erhabenen Kaiser, neuerdings die Wertschätzung realistischer Ausbildung gewachsen sei, ja wie diese jetzt zur Gleichbewertung mit der früher alleinherrschenden humanistischen Ausbild ung emporgestiegen sei durch die Gleichberech tigung der drei höheren Schularten: Gymna- sium, Realgymnasium und Oberrealschule wie nunmehr nicht ein griechisch-römisches Bildungsideal allein gelte, sondern wie ein nationales, deutsches Bildungsideal sich herausgestalte: biete doch die neuere Geschichte, in Krieg und Frieden zahlreiche Beispiele von Heldengröße, die denen des Alter- tums nicht nachständen.

Darum sei es für die Freunde der Realschulbildung(und er habe sie zu seiner Freude und seinem Stolze selbst genossen)eine Lust heute zu leben! wie Ul- rich von Hutten einst gesagt. Und somit sei voller Grund gegeben, heute bei unserem Jubelfeste fröhlich zu sein! Damit eröffne er den Kommers. Zum Schlusse brachte er auf S. M. den Kaiser und König, der ja der hochsinnige Freund und Beschützer der Realschule sei, ein dreifaches Hoch aus, das begeisterten Wiederhall fand, und dem die Kaiserhymne folgte, die von der ganzen Versammlung stehend gesungen wurde.

Alsdann sprach Herr Studiosus der neueren Philologie Hans Keyl(früherer Schüler unserer Schule) einen sinnigen Prolog, von seinem Vater, der selbst Schüler des Gymnasiums war, gedichtet, zur Verherrlichung der Realschule.

Nach einem neuen Festgesang desLiederkranzes wurden vier lebende Bilder gestellt von Herrn Kunstmaler Robert Forell, dem derzeitigen Präses der Frank- furter Künstlergesellschaft. Fräulein Anna Frischmann, als Klio, sprach in vollendeter Weise zu jedem Bilde einen von Prof. Merz gedichteten Prolog. Die vier Prologe behandelten je eine Szene aus der Geschichte Bockenheims:

1. Bild: Ein römischer Centurio übernimmt von einem Bockenheimer Stein- metzen ein für die Saalburg bestelltes Steinbild des Jupiter(derartige Denkmäler aus Bockenheimer Dolorit finden sich bis Cöln).

2. Bild: Königsgericht auf dem Dinghof zu Bockenheim. Ludwig der Deutsche hält Gericht wegen Verletzung des Königsbanns im Reichsforst durch Wilderer.

3. Bild: Brandstätte zu Bockenheim und Plünderung durch Marodeure nach der Schlacht bei Höchst, 20. Juni 1622.

4. Bild: Ein Bild des Friedens und der Gegenwart. Um das Wappen Bocken- heims aus seiner selbständigen Zeit als Stadt(an Stelle des Hirschgeweihes, des alten Wappens der kaiserlichen Reichsforstmeisterei), den Bienenkorb, als Sinnbild des Fleißes, stehen die Idealgestalten von Kunst und Wisseuschaft, Industrie, Ge- werbe und Handel, Unterricht und Wohltätigkeit. Dahinter sieht man das alte Rathaus und die Liebig-Realschule.