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Das Schauturnen.
Der zweite Teil der Jubelfeier begann nachmittags 4 Uhr auf dem Schulhof und dem Turnplatz der„Turngemeinde Bockenheim“, der neben ersterem liegt und von genanntem Verein in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt worden war.
Eine mächtige treppenartig gebaute Schaubühne, mit Girlanden und Fahnen
geschmückt und mit rotem Tuch ausgeschlagen, befand sich am westlichen Ende des Schulhofes.
Wieder drohten Gewitterwolken, aber bald siegte die Sonne und beleuchtete mit ihren Strahlen ein liebliches festliches Bild.
Die Schaubühne erwies sich bald zu eng, und ringsum im Hofe und draußen um das Gitter herum wogte eine schaulustige Menge. Ebenso waren alle Fenster der Hofseite des Schulhauses von Gästen besetzt.
Das Programm wurde mit fröhlicher Lust durchgeführt, und alle Klassen der Schule kamen zu ihrem Recht.
I. Fahnenreigen, Va. und Vb.— Pferd ohne Pauschen, II.— Pferd mit Pauschen, II.— Fenstersprung, IVa.— 1. Teil des Fünfkampfes: Weitsprung.— Marschübungen, IVb.— 2. Teil des Fünfkampfes: Gerwerfen.— Schleuderball, III.— Drittenabschlagen, VIa.
II. Barren, II.— Bock, I.— 3. Teil des Fünfkampfes: Hochsprung.— Stab-
übungen, II.— Reigen; dann„Katz und Maus“, 1. Vorkl.— Kreishüpfen und Kreisball, Va.— Stafettenlauf, Vb.— Hürdenlauf, I., II. III. III. Schlagball, V.— Bock, III.— Hantelübungen, II.— Stabsprung, I.
und II.— Kreisball, Jagdball, VIb.— Faustball, I.— 4. Teil des Fünfkampfes: Wettlauf.— 5. Teil des Fünfkampfes: Steinstoßen.
IV. Preisverteilung.— Schlußpyramide.
Eingelegt wurde als Extrastück ein Kampfspiel: Uberfall einer Abteilung der Schutztruppe in Deutsch-Südwest-Afrika durch Hereros. Ausstaffierung und Fär- bung, Kriegsgesang und Siegergeheul machten den Eindruck der Echtheit— es offenbarte sich viel natürliches urangeborenes Talent, und dies wirkte auf den jüngeren Teil der Zuschauerschaft geradezu elektrisierend und entzückte auch ältere Gemüter. Die folgenden Wettkämpfe zeigten den deutlichen Einfluß dieser Anregung. Am Ende des Ganzen übernahm Herr Provinzialschulrat Dr. Kaiser, selbst in fröhlicher Laune, umringt von der kampffrohen Jugend die Preisverteilung, und die kleinen Sieger nahmen, unter dem Jubel der sie umringenden Jugend- genossen und dem freudigen Zuruf der Erwachsenen, in stolzer Olympierhaltung die Siegespreise entgegen, nachdem der Kampfrichter eine zündende Ansprache gehalten und ein dreifaches donnerndes Hoch auf das deutsche Volk und das deutsche Vater- land ausgebracht hatte.
Der Redner führte aus, wie im fröhlichen Wettkampf geistiger und leiblicher UÜbungen die Kraft der Seele und des Leibes wüchse, ein klarer Kopf und ein lebensfrohes Herz, ein freier Blick und ein frischer Mut erworben würden, daß so, als Gewinn fürs ganze Leben, Gesundheit, Tapferkeit, Tugend und Tüchtigkeit— und alles in allem genommen— Glück gewonnen würde.
Und wenn so jeder einzelne an seinem eigenen Glück baue, daß er dann bei- trüge zum Glück des Ganzen— der Familie, der Vaterstadt, des Volkes, des Vater-


