Aufsatz 
Die Jubiläumsfeier der Anstalt. Gedenkfeier des fünfzigjährigen Bestehens der Anstalt
Entstehung
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gesprochenen Prolog eröffnet, dem lebhafter Beifall zu teil wurde. Die Oberprimaner Halbertsma, Kühn, Marchand, Probeck und der Obertertianer Tauber führten den I. Akt aus»Die Piccolomini« von Schiller, die Oberprimaner Illig, Jung, Lehn- hardt, Marchand, Probeck, Scheller und Siegfried den 3. Akt von NMolières »Les femmes savantes« auf. Der Mühe der Einstudierung hatten sich die Herren Prof. Pagenstecher und Oberlehrer Dr. Bauer, sowie die Herren Schwab und Tauber vom Königl. Theater in dankenswerter Weise unterzogen. Herr Oberlehrer TDiedemann zeigte sich mit dem Vortrage eines Konzertes von Nardini als Meister der Geige. Der Königliche Opernsänger, Herr Karl Braun, ein früherer Schüler der Anstalt, entzückte mit seiner prächtigen Stimme die Zuhörer durch den künstlerisch vollendeten Vortrag mehrerer Lieder für Baß. Herr Robert Schellenberg und Herr Lewin, beide gleich- falls frühere Schüler, spielten, der erste auf dem Violoncello»Kol Nidrai« von M. Bruch, und der letztere am Klavier einen Spanischen Tanz eigener Komposition und die zweite Rhapsodie von Liszt. Die Schüler Boscheck, Hecht, Helbig, Lehnhardt, Reich, Wengenroth, Wolf und Herr Schellenberg trugen das Largo von Händel vor. Allen Mitwirkenden wurde reicher(Beifall gespendet. Den Schluß der Veranstaltung bildete der gleichfalls von Schülern gespielte»Militärmarsch« von F. Schubert.

Die akademische Feier fand Freitag, den 17. Mai vormittags 10 ½ Uhr, im großen Saale des neuen Kurhauses statt. Nachdem der Schülerchor unter Leitung des Gesang- lehrers, Herrn Schauß, die Hymne von Beethoven»Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre« gesungen hatte, nahm Herr Oberbürgermeister Dr. von Ibell als erster Redner das Wort. 3

Er hieß die in überaus großer Zahl erschienenen Festgäste willkommen, insbesondere die Vertreter der staatlichen Kommunal- und Kirchenbehörden sowie die Leiter der Schwesteranstalten. Er beglückwünschte, zugleich im Namen des Magistrats, die Anstalt zu ihrem heutigen Jubiläum und wünschte diesem einen harmonischen Verlauf. Als einen für ihre Entwickelung günstigen Umstand bezeichnete er es, daß sie immer das Glück hatte, Leiter und Lehrer zu finden, die mit Geschick und freudiger Pflichttreue ihres Amtes walteten. Dem gegenwärtigen Leiter sowie dem gesamten Lehrerkollegium sprach er den Dank und die Anerkennung des Magistrats aus. Sie hätten es verstanden, neben der Vermittelung wissenschaftlicher Kenntnisse vor allem erziehlichen Einfluß zu betätigen und so für Gemeinde und Staat tüchtige Männer heranzubilden. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß es der Anstalt vergönnt sein möge, nach 50 weiteren Jahren mit derselben allgemeinen Anteilnahme und Begeisterung wie heute das hundert- jährige Jubiläum zu feiern. Herr Provinzial-Schulrat Dr. Kaiser überbrachte die Glückwünsche des Provinzial-Schulkollegiums, das an dem heutigen Feste herzlichen An- teil nehme. Der Herr Oberpräsident Exzellenz von Windheim bedaure es lebhaft, durch Dienstgeschäfte verhindert zu sein, dem Feste beizuwohnen. Ihm, dem Redner, aber ge- reiche es zur besonderen Ehre und Freude, heute hier als Vertreter des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums erscheinen zu können, um teil zu nehmen an der Jubelfeier der Schule, die er 14 Jahre lang als Direktor zu leiten berufen war. Er entwarf ein kurzes Bild von der Entwickelung der Schule, die vor 50 Jahren als Höhere Bürgerschule gegründet worden sei, um sich sodann zu einer Realschule 2. Ordnung und zur Oberrealschule und nun- mehr wieder zu einem Reform-Realgymnasium mit Realschule zu entwickeln. Besonderer Dank gebühre Sr. Majestät dem Kaiser, auf dessen Eingreifen die Anerkennung der Ober-