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— Nach allem dieſem hätte ſyſtematiſch einheitliche Zuſammenfaſſung der ganzen Grammatik zu folgen, ſo daß dann dieſe nicht, wie ſo leicht heute, ein Haufen von Wortarten, Wortformen und ſyntaktiſchen Regeln, oder im beſſeren Falle eine tote Syſtematik wäre, ſondern eine lebendige und doch feſt gegliederte Einheit bildete. Dann wäre ein Apperzeptionsnetz da, innerhalb deſſen die beſonderen Regeln ſicher und leicht ihren Ort fänden, und mittelſt deſſen dic verſchiedenen Sprachen, deren wir ja leidlich viele zu behandeln haben, ein gemeinſames feſtes Band verknüpfte.
11. Daß wir dieſe Syſtematik im Deutſchen an zu grammatiſcher Analyſe geeigneten Leſeſtücken entwickeln und noch andere freie Beiſpiele hinzunehmen, ſonſt aber hier nicht viel Einzelregeln(Konſtr. d. Präpoſ. u. dgl.) ſyſtematiſieren, dürfte ſelbſtverſtändlich ſein. In den fremden Sprachen müſſen wir ſchon mehr Einzelregeln ſyſtematiſieren, und dabei wird durch Ver⸗ gleiche auch das Deutſche weiter behandelt. Dabei gilt es auch in den fremden Sprachen die Grammatik, ſo viel es geht, aus dem Gedanken, nicht dem bloßen Wortgefüge heraus zu ent⸗ wickeln. Die Konjugation wird nach meiner Erfahrung allerdings im Franzöſiſchen weit leichter gefaßt und gelernt, wenn man die etymologiſch zuſammengehörigen Formen gruppiert: Présentgruppe: Prés de l'ind., Prés du subj. Impérat. Impf. de l'ind, Partic. présent. Passégruppe: Passé déf., Impf. du subj. Infinitifgruppe: Infinitif, Futur, Cond. Participe-passégruppe: Wiederholung all dieſer Zeiten(mit Ausnahme des Impératif) im Hilfszeitwort mit Hinzufügung des partic. passé. Danach laſſen ſich dann unter Betonung der Présentformen vor konſonantiſcher und vor vokaliſch betonter wie unbetonter Endung Averbogruppen bilden: apergois— cevons— gHoivent— gus— cevrai— gu die für die meiſten unregelmäßigen Verben ausreichen(viens, venons, viennent, vins, viendrai, suis venu). Dadurch wird allerdings, was ein Schade iſt, die Syſtematik der Tempora und Modi gekreuzt; aber die Vorzüge wiegen den Schaden doch auf; die regelrechte Syſtematik muß freilich alsdann darübergeſtellt und in ihrer Bedeutung lebendig gemacht werden. In dieſer Syſtematik ſchleppen wir aber in unſeren Grammatiken noch bis in die Oberklaſſen viel totes Material mit. So wird„j'avais“ und„j'eus“ unter die Wortform(Begriff fehlt ja)„ich hatte“,„j'avais eu“ und„j'eus eu“ unter die Wortform„ich hatte gehabt“ gebracht, ohne daß die Schüler wiſſen, warum da je zwei Formen vorhanden ſind. Und doch wäre es nicht ſo ſchwer, und würde die ſpäter ſo ſchwierige Erweckung gedankenloſen Wortkrams zum Leben erſparen, wenn man von vorn herein nur die charakteriſtiſchſten Bedeutungen„ich hatte bereits, als etwas anderes ſtattfand“,*)„ich hatte, nachdem etwas anderes geſchehen war“,(„ich bekam“) und beim Passé ant.„ich hatte kaum gehabt“ hinzuſetzte. Daß es nicht ſchwierig iſt, Anfängern das lebendige Verſtändnis für die Gedankenbeziehung(freilich noch nicht die Fertigkeit der Anwendung) zu verſchaffen, davon habe ich mich überzeugt. Ebenſo müßten die übrigen Tempora, wie das ſchwierige Konditionnel und cond. passé, der Unterſchied zwiſchen„il dit qu'il venait“ und„qu'il viendrait“ u. ſ. w. ſinnlich empfunden werden; es iſt ferner ſchon in Mittelklaſſen gar nicht ſo ſchwer, den Beziehungs⸗ unterſchied zwiſchen dem franzöſiſchen„il raconta, qu'on l'avait assassiné“(Beziehung auf il raconta, d. h. den Juhalt der Rede) und dem deutſchen„er erzählte, man hätte ihn umgebracht“ (Beziehung auf die Thatſache ſelbſt, die er nicht als gewiß ausgibt) zu erklären, zumal wenn man hinzunimmt, daß das Volk dieſe letzte Redeweiſe deutlich von„er hat erzählt, daß er ihn umge⸗
*) Die geradezu verwirrende Behauptung ſollte doch endlich unterbleiben, der Impf. bezeichne„die Dauer“. Es gibt doch nur eine relative Dauer an, etwas was dauerte, als etwas anderes eintrat, boder während etwas anderes dauerte, dann aber, was oft geſchah, was immer geſchah, endlich was loß geſchildert, nicht erzählt werden ſoll.
**) Vgl. R. Sonnenburg, Lehrpr. 3, S. 59 ff.


