Aufsatz 
Die objektive Apperzeption und ihre pädagogische Bedeutung
Entstehung
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überall werden wir geneigt ſein, da und dort anders zu lehren. Dieſe Änderungen müſſen jedoch mit großer Vorſicht vorgenommen werden, und wo ſie weſentlicher ſind, ſollte ebenſo wie über die hauptſächlich zu betonenden naturwiſſenſchaftlichen und geſchichtlichen Gruppen, oder ſprachlichen Regeln und Muſterſätze Vereinbarung der Lehrer ſtattfinden, damit ſich die Formulierung und Gruppierung der Hauptſachen leidlich einheitlich vollzieht. Denn das ſchlechteſte Lehrbuch, in deſſen Syſtematik der Schüler heimiſch werden kann, iſt beſſer als die geiſtvollſte Umordnung, wenn ſie von verſchiedenen Lehrern nach verſchiedenen, ſich alsdann wirr in den Köpfen der Jugend kreuzen⸗ den Geſichtspunkten vorgenommen wird. Mit Recht bekämpfen die Neueren z. B. in dem Sprach⸗ unterricht das geiſtloſe Lektionenreiten, bei dem nur einzelne Fetzen, aber keine einheitlichen Ver⸗ bindungen zuſtande kommen; aber ganz ebenſo bedenklich iſt das Herumſauſen in den Lüften, dem die feſten, bleibenden Unterlagen fehlen. Und dabei iſt noch nicht einmal geſagt, daß dieſes immer geiſtvoller wäre.

10. Dagegen ſollte man, wie ſchon betont, den vortrefflichen Grundgedanken der neueren Pädagogik, wonach alles von lebendiger Anſchauung, womöglich zuerſt aus dem Geſichtspunkte des Werdens heraus zu behandeln iſt, immer vollſtändiger durchführen. Wie man das vielleicht auf dem Gebiete der Grammatik machen könnte, das möchte ich in einer kurzen Skizze zu veran⸗ ſchaulichen ſuchen. Das Ziel muß freilich auch hier eine feſte Syſtematik der Satz⸗ und Wortlehre ſein; das Verfahren aber muß ausgehen nicht vom Wort und nicht vom Satz, ſondern von deren Beziehung zu der lebendigen Gedankenbahn. Der Gedanke treibt den Satz hervor, und die Worte ſind in dieſem nicht Bauſteine, aus denen er zuſammengemauert wird, ſondern Zellen, die jener entwickelt. Man müßte daher auf der unterſten Stufe nicht mit der Analyſe des Dingwortes, Eigenſchaftswortes, Ausſagewortes, ſondern mit Analyſe der Beziehung auf den Gegenſtand beginnen. Man ſollte z. B. in dem Satze:Die Sonne ſcheint fragen: Von wem iſt die Rede? Von der Sonne. Was wird von der Sonne geſagt?Sie ſcheint; und nach einer Reihe von Beiſpielen ſollte man Gegenſtand und Ausſage als Satzteile feſtlegen, und dann erſt zu den Wortmitteln übergehen, durch die dieſer Gedanke ausgedrückt iſt; Dingwort, Ausſagewort. So ſchiede ſich frühe im Bewußtſein der innere Gegenſatz: Satzlehre und Wortlehre und bliebe doch in lebendiger Beziehung zu einander. Die weitere Stufe müßte das Ziel der Ausſage(der Jäger ſchießt den Haſen), und damit das Objekt und deſſen Wortmittel entwickeln(Deklinationen). Darauf Umkehrung: Der Haſe wird von dem Jäger geſchoſſen(thätig, leidend). Und ſo würden weiter die Attribute, die Umſtände entwickelt, dann die fünf Satzteile feſtgeſtellt und ebenſo die Wortmittel, durch die ſie dargeſtellt werden.

Hierauf käme die Syntheſe zweier Sätze mit gleichartigen Satzteilen(und, ſowie), ſodann die Entwickelung der Nebenſätze: Ich ſah ſeine Freude,= ich ſah, daß er ſich freute. Ana⸗ logie: Die Pflanze entwickelt Seitentriebe. Regel: Alle Satzteile können unter Umſtänden ganze Sätze werden; dieſe nennt man Nebenſätze. Die Arten der Nebenſätze, die weiteren Wortarten (Konjunktionen), und nun auch die Modi(Indikativ und Konjunktiv), ſowie die ſchwierigeren Zeiten ſind zu entwickeln. Dieſe ſind ſinnlich zu veranſchaulichen.(Ich werde das Buch auf den Tiſch legen.Als ich dort ſtand, ſagte ich, ich würde das Buch auf den Tiſch legen ꝛc.) Sodann zeigt man nach Analogie der Pflanze, die hier und da keine vollen Zweige mehr treibt, ſondern dieſe zu blattumhüllten Knospen rückbildet, wie die vollen Nebenſätze rückgebildet werden in Infinitiv⸗ und Partizipialſätze, und wie endlich die Sproſſen einer Pflanze am Wurzelſtock eigne Wurzeln treiben, und nur noch äußerlich mit dem Mutterſtock zuſammenhängen, ſo erſcheinen, die Satzbildungen mitdenn,darauf,aber ꝛc., die von den Nebenſätzen abzuleiten ſind. (Ich trauerte, weil mein Freund geſtorben war;ich trauerte; denn mein Freund war geſtorben.)