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Zweifel; ich ſage vielmehr: es muß ein anderer kauſaler Faktor eingewirkt haben, der mir ent⸗ gangen iſt, andernfalls müßte die erwartete Wirkung eingetreten ſein.— Dieſe Urteile ſind Kants ſynthetiſche Urteile a priori, die man ſo oft beſtritten hat, indem man Kant fabel⸗ hafter Ungereimtheiten bezichtigte.*)
8. Wenn die abſtrakte Sonderung und Bearbeitung der grundlegenden Elemente des Erkennens ſo ſchöne Früchte zeitigt, ſo liegt die Verſuchung nahe, auch die der Syſtematik zu Grunde liegenden Elemente in gleicher Weiſe zu bearbeiten. Wenn hier der Beziehungsort, die Syſtematik ſelbſt, feſtgehalten wird, ſo iſt nichts dawider zu ſagen; dieſe Bearbeitung kann dann nur dazu dienen, die Syſtematik zu vervollkommnen. Anders aber iſt es, wenn die Ergebniſſe, die nur für die Syſtematik ſelber Geltung haben, auf die Dinge übertragen werden, wenn z. B. die Gattungs⸗ und Artbegriffe als Weſenheiten der Naturerſcheinungen ſelber aufgefaßt werden. Eine gleiche Konfuſion tritt dann ein, wenn geiſtige Begriffe als Weſenheiten aufgefaßt werden. (Selbſtſtändiges„Sein“ der Ideen; die Subſtanzialität des Ich in Kants Paralogismen.)
9. Zuletzt haben wir die Bedeutung der Sprache für die Erkenntnis zu berühren. Das Wort verſchmilzt, wie Wundt mit Recht ſagt, mit den ſachlichen Inhalten und Beziehungen; es iſt gleichſam eine herrſchende Vorſtellung, mittelſt deren wir den Gegenſtand reproduzieren können. Ebenſo verſchmilzt es mit Gefühlen, Willensregungen und bekommt dadurch ſelber eine Gefühls⸗ färbung, ſo daß uns gewiſſe Worte lieb, andere widerwärtig ſind, obwohl ihre Gegenſtände uns gleich lieb ſind(vergl. Schenkendorfs Mutterſprache). Aber doch verſchmilzt das Wort nicht etwa ſo mit dem Gegenſtand, wie die Vorſtellung„grün“ mit dem Blatt. Es wird nicht etwa ſo auf das Objekt ſelbſt bezogen, daß es deſſen Beſtandteil würde, ſondern es iſt bloß ein Wegweiſer zu der durch dasſelbe ausgedrückten Verbindung und Beziehung der Vorſtellungen. Wir brauchen das Objekt, ob es nun ein Ding, eine Beziehung zwiſchen Dingen, oder eine Gedankenbeziehung ſei, nicht vorzuſtellen, wenn wir das Wort ausſprechen. Es genügt, daß wir wiſſen, wir können die betreffenden Vorſtellungsreihen erwecken, wenn wir wollen. Darum denken wir auch in den gewöhnlichen Beziehungen des Lebens faſt nur in Worten. Erſt wenn wir uns in ſchärfere Be⸗ trachtung natürlicher oder geiſtiger Vorgänge verſenken, werden wir gewahr, wie unendlich viele Beziehungen da ſind, für die uns die Worte fehlen, und wie ungemein ſchwer es dann wird, den für Andere verſtändlichen Ausdruck zu finden. Sobald dieſe Schwierigkeit wegfällt, iſt das Wort⸗ denken gleichſam ein ſtenographiſches Denken, dus wir ſtatt der umſtändlicheren Kurrentſchrift des ſachlichen Vorſtellungsablaufs anwenden; und das ſchadet nichts, ſondern fördert, ſo lange wir ſicher ſind, daß es ſich in den Bahnen bewegt, die das ſachliche Denken einſchlagen müßte, und daß wir dieſes bei Bedarf jederzeit reproduzieren können.
Hier hapert es freilich ſehr oft. Wie uns beſonders in früher Jugend tauſendfache ſachliche Vorſtellungen entgegentreten, deren örtliche oder kauſale Fixierung uns fehlt, ſo treten uns Maſſen von Worten entgegen, deren ſachliche Bedeutung uns gänzlich fremd iſt, und die darum in der verworrenſten Weiſe gedeutet und ſehr langſam, oft bis ins ſpätere Leben ſehr ungenügend ihre
*) Freilich handelt es ſich bei dieſen Urteilen darum, daß man den Beziehungsort ſtreng feſthält. Nur diejenigen Schlüſſe können für Dinge gelten, die das Verfahren betreffen, mittelſt deſſen wir Dinge erkennen. Verändern wir die Elemente dieſes Verfahrens ſelber, oder wollen wir Elemente des ſekundären geiſtigen Verfahrens, mittelſt deſſen wir jene Elemente ſelber bearbeiten, auf Dinge beziehen, ſo kommt ſinnloſe Beziehung heraus. Gebilde vierdimenſionaler Art können wir ebenſowenig auf unſeren Raum beziehen, wie das Multiplikationsverfahren„ in dem Urtheil 3 6= 18, oder die V 1, die doch in dem mathe⸗ matiſchen Verfahren ſelbſt ihren vollwertigen Beziehungsort haben.


