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E. Gottesdienſt.
Jeden Sonntag beſuchen die Zöglinge mit den Lehrern den Vormittags⸗Gottesdienſt in der Burgkirche. Außerdem wird an jedem Mittwoch⸗Abend in der Anſtalt eine Erbauungs⸗ ſtunde gehalten, in welcher nach Gebet, Reſponſorien und Choralgeſang mit Orgelbegleitung von einem der angeſtellten Theologen— Steinberger, Stamm, Soldan, Marx— ein erbaulicher Vortrag über eine Bibelſtelle gehalten wird.
F. Chronik.
1. Mit Beginn des Schuljahres trat an der Stelle der vorhinigen Putzfrau, Wittwe Briel, die Frau Marie Eimer von hier in den Dienſt des Seminars ein.
2. Unterm 1. Juli 1871 wurde dem Reſerviſten Wilhelm Andreas Bornmann aus Battenberg die Stelle des 1. Pedellen am Seminar allergnädigſt übertragen.
3. Der Hülfslehrer der Muſik Heinrich Süß, welcher am 1. Febr. 1871 zum 3. Erſatz⸗ bataillon eingezogen worden war und deſſen Lehrſtunden ſeitdem theils durch die beiden andern Muſiklehrer verſehen, theils ausgeſetzt worden waren, wurde am 1. Juli aus dem activen Militärdienſt entlaſſen und übernahm von da an ſeinen Dienſt wieder.
4. Vom 6.— 8. Juli wurde vom Seminar unter Theilnahme von 7 Lehrern und 90 Schülern eine Fußtour in den Vogelsberg, und zwar über Ortenberg, Gedern und Herchenhain auf den Hohenrodskopf, den Taufſtein und Billſtein, von da nach Schotten und zurück über Langd, Rodheim, Ober⸗Widdersheim, Echzell gemacht, welche vom Wetter außer⸗ ordentlich begünſtigt war und ſowohl durch die reichen Natureindrücke, wie durch die mannig⸗ faltigen Productionen einer edlen Geſelligkeit allen Theilnehmern ein großes Vergnügen bereitet hat und ihnen ſicherlich noch lange eine angenehme Erinnerung bleiben wird.
5. Bei einem am 14. Auguſt 1871 in der Mittagsſtunde entſtandenen heftigen Gewitter wurden von dem damit verbundenen Hagel auf der Wetterſeite der in Folge ihrer hohen und iſolirten Lage ſehr exponirten Seminargebäude 92 Fenſterſcheiben zertrümmert.
6. Mit Beginn des Winterſemeſters ging die Koſtwirthſchaft von dem bisherigen Koſt⸗ wirth Wolfgang Gärtner an den Gaſtwirth Friedrich Weihl über.
7. Am 1. December 1871 wurde die Frau Katharina Pfeiffer als Lauffrau in den Dienſt des Seminars genommen.
8. Am 16. Januar 1872, Vormittags 10 Uhr, ſtarb der dahier im Penſionsſtand lebende vorhinige Seminarlehrer Profeſſor Wilhelm Roth und wurde von ſämmtlichen Lehrern und Schülern des Seminars zu ſeiner letzten Ruheſtätte begleitet. Ueber ſein Leben und Ende entnehmen wir der Darmſtädter Zeitung vom 30. Januar folgenden Nekrolog:
Am 16. d. Mts. ſtarb dahier zu Friedberg der penſionirte Großherzogliche Seminarlehrer Ludwig Chriſtian Wilhelm Roth. Derſelbe war geboren am 8. December 1796 und ein Sohn des vorhinigen, um das Schullehrer⸗Seminar und das geſammte Volksſchulweſen unſeres Landes hochverdienten und von ſeinen einſtigen Schülern noch heute hochverehrten Seminar⸗Directors Oberſchulrathes Roth.
Nachdem der Verſtorbene im Hauſe ſeines Vaters eine ſorgfältige Erziehung genoſſen und auf der Landesuniverſität ſeine theologiſchen und philoſophiſchen Studien vollendet hatte, war er längere Zeit Lehrer an der lateiniſchen Schule zu Kirn in der preußiſchen Rheinprovinz. Im Jahr 1841 an das hieſige Schullehrer⸗Seminar berufen, hat er in dieſer Stellung mit Treue, Gewiſſenhaftigkeit und beſtem Erfolge bis 1868 gewirkt, in welchem Jahre ihm unter Verleihung des Profeſſoren⸗Titels die wohlverdiente Ruhe zu Theil wurde. 127 3
Roth war ein Mann nach dem Bilde unſerer früheren Gelehrten. Er gehörte nur ſeinem Amte und ſeinen Studien an; für die Vorgänge des öffentlichen Lebens hegte er zwar ſtets ein lebhaftes Intereſſe, betheiligte ſich aber an denſelben perſönlich ſelten; auch dem geſelligen Leben


