Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Stadt Worms / von F. Soldan
Entstehung
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aus dem Staub ſeines totalen Ruins in etwas aufgerichteter Reichs⸗Stand zutragen und auszuhalten, vermögend ſeyn ſollte; wozumahlen ſchon oben berühret worden, daß dieſe geplagte Stadt auſſer ihrer Fluhr⸗ Marckung und geringem Territorio keine Dörffer, Höffe, noch Einkünffte, auch in derſelben nicht mehr als ohngefehr 600. durch oberzehlte Kriegs⸗Calamitaeten meiſtens verarmte Burger zu contribuenten, mithin nicht die geringſte Resource übrig hat, von welcher dem Publico bei gefährlichen Kriegs⸗ oder auch zu andern dringenden Zeiten einige Sublevation zu gehen könnte; über das auch keinem Menſchen verborgen ſeyn kan, daß von dem vorigen florisanten Commercio auch nicht die geringſte Merckmahle und Spuren mehr vorhanden, ſondern aller Handel und Wandel gleichſam aufgehöret habe, ſeit deme die nach der unglückſeeligen Zerſtöhrung zurückgekehrte Burger und Ein⸗ wohner ſich mit Auferbauung ihrer Wohnungen verblutet, die Stadt ihrer Beveſtigung beraubet und offen iſt, ſomit pro ratione situs allem Kriegs⸗Ungemach und jeden ankommenden Kriegs⸗ Völckern exponiret zu ſeyn pfleget.

Das Geſuch des Rats von Worms um Ermäßigung der Reichsmatrikel hatte den gewünſchten Erfolg. Durch einKayſer⸗ lich-Allergnädigſtes Kommiſſions⸗Ratifikations⸗Dekret an die Reichsverſammlung zu Regensburg vom Mai des Jahres 1755 wurde erklärt, daß der Stadt Worms die völlige Befreiung von Reichs⸗ und Kreisabgaben auf 12 Jahre und alsdann ihr Anſchlag auf 24 Gulden herabgeſetzt ſei.