— 56—
zurück und lagerte einige Tage in der Nähe der Stadt. Gegen Ende Juli rückte dieſelbe auf Oggersheim und von da weiter fort. Sie ließ aber ein Corps von 10 bis 12,000 Mann unter dem Commando des Grafen de Segur zurück. Während die Generalität ſich in einer Vorſtadt einquartierte, bezogen die übrigen Truppen in der Gemarkung von Worms ein Lager. In dieſem blieben ſie bis zum Ende des Oktober.
Die Anweſenheit dieſer Truppen brachte natürlich wieder neue Bedrückungen für die Wormſer mit ſich. Am 4. Auguſt wurden 5900 Boßen Stroh, jeder zu 10 Pfund, von ihnen ge⸗ fordert; am 5. Aug. 150 Malter Hafer oder Spelz, am 20. Aug. 150 Boßen Stroh, den 21. Aug. 5000 Rationen Heu zu je 18 Pfund und„3 Boisseau“ Hafer oder Spelz, in 24 Stunden zu liefern. Am 22. Auguſt verlangten die Franzoſen mitten in in der Nacht um ein Uhr 900 Boßen Stroh zu je 10 Pfund und am 31. Aug. abends um halb ſieben 1000 Rationen Hafer⸗ oder Heu.
In ſeiner Bedrängnis wandte ſich der Magiſtrat mit flehent— lichen Bitten an die verſchiedenſten Perſonen, an den Intendanten, an den Prinzen Conti und den Herrn de Saliere. Zugleich er⸗ ſuchte er durch Abgeſandte den Oberbefehlshaber der Truppen, den Grafen de Segur, durch einige Offiziere die Häuſer der Bürger durchſuchen zu laſſen, damit er ſich von dem Notſtand in der Stadt überzeugen könne. Der franzöſiſche Oberbefehls⸗ haber ging auf dieſe Bitte ein, und die Viſitation hatte den Er⸗ folg, daß am 2. Sept. die Kriegsſteuer herabgeſetzt wurde, und zwar auf 1500 Rationen Heu zu je 15 Pfund, 4000 Rationen Hafer oder Spelz„zu 3 Boisseau“ und 3000 Rationen Stroh. Dieſes Quantum wurde wirklich mit Anſpannung aller Kräfte von den Bürgern zuſammengebracht.
Aber dem in der Nähe der Stadt lagernden Corps ſollte auch das nötige Holz geliefert werden. Obgleich der Magiſtrat gleich anfangs vorgeſtellt hatte, daß es in dem Gebiete der Stadt keine Waldungen gebe und deshalb die Bewohner genötigt ſeien ihren Bedarf an Brennholz in der Nachbarſchaft zu kaufen, ſo


