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Phraſe, und ſein Realismus findet zum Ausdruck eines Gedankens oder einer Stimmung ſtets das treffendſte und kürzeſte Wort oder Bild. Durch einen Hinweis auf den Prinzen von Homburg kann ſchließ⸗ lich der Geſamteindruck der Hermannsſchlacht zum verſöhnlichen Ab⸗ ſchluß gebracht werden: Dies Drama iſt ein Lied des Haſſes und Kam⸗ pfes gegen den Räuber der Freiheit, in jenem kommt die innige Liebe zum Vaterlande und zum Herrſcherhauſe zu dichteriſcher Geſtaltung.
Der Prinz von Homburg.
In den Lehrplänen von 1891 war der„Prinz von Homburg“ nicht erwähnt; jetzt iſt ſeine Lektüre geboten, ein Zeichen, daß die Wer⸗ tung des Werkes auch im Kreiſe der Schulmänner geſtiegen iſt. Frei⸗ lich wird in dem neueſten Handbuche der Schullektüre(Goldſcheider a. a. O. S. 172) bei Beſprechung unſeres Dramas dem Dichter viel Böſes vorgeworfen, Eigenwille, Laune, Mangel an Plan und Ordnung, und Goldſcheider glaubt oft über den Prinzen den Kopf ſchütteln zu müſſen, aber aus der ganzen Beſprechung des Dramas geht hervor, daß dem Verfaſſer die Freiheit des Blickes zur richtigen Würdigung Kleiſts ab⸗ geht. Bei der reichen Literatur*) über den Gegenſtand— auch über den pädagogiſchen Wert und die Schulbehandlung des Kunſtwerkes— kann ich mich auf die ſpringenden und beſonders die ſtrittigen Punkte beſchränken.
Der„Prinz von Homburg“ iſt eins unſerer genialſten Bühnen⸗ dramen und zugleich eins unſerer beſten Schuldramen, nicht als ob Bühnendrama und Schuldrama ein Gegenſatz wäre. Nach Handlung, Charakteriſtik und Ideengehalt liegt das Werk dem jugendlichen Ver⸗ ſtändnis und Gefühle ſo nahe und iſt ihm ſo ſympathiſch, daß, wenn man es verſteht, die Schüler dafür zu erwärmen, der ſchönſte Gewinn aus der Lektüre gezogen werden kann, und wenn einzelne Motive(z. B. der Traumwandel 1, 1 und die Todesfurcht III, 5) zunächſt eigen⸗ tümlich erſcheinen können, ſo bedürfen ſie nur der angemeſſenen, aus dem Zuſammenhange und dem Weſen der Kunſt Kleiſts ſich ergebenden Erklärung, und ſie werden, ohne Anſtoß zu erregen, verſtanden werden.
*) Kleiſts Werke. Hrsg. v. E. Schmidt. Einleitung des Herausgebers.
F. Servaes, H. v. Kleiſt. S. 122 ff.
Sp. Wukadinowie, Kleiſt⸗Studien. S. 173 ff.
B. Schulze, Neue Studien über H. v. Kleiſt. S. 71 ff.
S. Rahmer, das Kleiſt⸗Problem. S. 118 ff.
N. Petſch, Kleiſts Prinz von Homburg. Deutſche Dichter des 19. Jahrh., hrsg. v. O. Lyon. 7. Bdchen.
H. Gaudig, Wegweiſer durch die klaſſ. Schuldramen. 4. Bd. S. 285 ff.
H. Gilow, die Grundgedanken von Kleiſts Prinz v. Homburg. Beilage zum Pro⸗
gramut des Königſtädt. Gymnaſiums zu Berlin. Oſtern 1893.


