Aufsatz 
Heinrich von Kleist im deutschen Unterricht der höheren Lehranstalten / von Karl Sieke
Entstehung
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in ſeinem Drama mit ſeinem patriotiſchen Feuer ſeine Zeitgenoſſen zum Freiheitskampfe fortreißen will. Einen übermächtigen und gewalt⸗ tätigen Feind— das iſt die Quinteſſenz unſeres Dramas— einen Feind, der uns die Freiheit geraubt hat und uns knechtet und ausbeutet, kann nur der Zuſammenſchluß aller Deutſchen ſtürzen. Im ganzen deutſchen Volk muß der Haß gegen das Fremdjoch zu lodernder Flamme angefacht werden. Wie ſich Marbod an Hermann anſchließt, muß Preußen dem in Waffen ſtehenden Öſtreich folgen. Nichts darf den Sturm der Erhebung gegen die Höllenſöhne hemmen, wie Hermann die Manneszucht in den feindlichen Kohorten(IV, 3) und einzelne Guttaten der Fremdlinge(IV, 9) verflucht, weil ſie die Em⸗ pörung gegen die Dämonenbrut zurückhalten könnten:

Ich will die höhniſche Dämonenbrut nicht lieben!

Solang ſie in Germanien trotzt,

Iſt Haß mein Amt und meine Tugend Rache!

Aber Hand in Hand mit dieſer furchtbaren Haſſesſtimmung, die vor Unmenſchlichkeit nicht zurückſcheut, zieht ſich eine feſte Siegeshoffnung und eine zielſichere Einigungspolitik durch das Drama. Nur die Fremd⸗ herrſchaft ſoll vernichtet werden; die Deutſchen, die ſich dem Fremdling angeſchloſſen haben, ſollen geſchont und mit den deutſchen Brüdern vereinigt werden.

Vergebt, vergeßt, verſöhnt, umarmt und liebt euch!(V, 14.). In dieſen Gedankengängen liegt die Grundidee und Tendenz unſeres Dramas, und ſie muß auch in der Schulbehandlung zu voller Wirkung kommen. Man wende nicht ein, daß man, indem man dieſes Drama des Haſſes behandelt, das Herz der Jugend mit häßlichen Gefühlen erfülle. Man ſage klar heraus, es ſind dämoniſche Leidenſchaften und entſetzliche Taten, die der Dichter uns vorführt, aber auf andere Weiſe kann nach ſeiner Ueberzeugung die Freiheit nicht wiedergewonnen werden. Auch andere ſittlich hochſtehende Männer waren damals der Anſicht, daß die Zeit ſolche Mittel verlange. Hat doch Arndt geſagt, man müſſe den Teuſel mit der Hölle beſiegen, und Stein ſchrieb an einen Freund: „Soll es dem Kaiſer Napoleon allein erlaubt ſein, an Stelle des Rechtes Willkür, der Wahrheit Lüge zu ſetzen?“

Und dann muß man bedenken, daß der furchtbare Haß, der in der Hermannsſchlacht zum Ausdruck kommt, doch nur die Folge der großen Vaterlandsliebe des Dichters iſt.

Den Abſchluß der Behandlung des Dramas kann geeigneter Weiſe die Klaſſenlektüre einiger bedeutender Szenen bilden, etwa I, 1; III, 5 und 6; IV, 9: V, 14 und 23, Dabei kann man auch einige Bemerkungen über Kleiſts Sprache und Stil, worüber wir ein ſo ge⸗ diegen wiſſenſchaftliches Buch wie das von Minde⸗Pouet beſitzen, ein⸗ fließen laſſen. Seine Spraache iſt charakteriſtiſch. Nie verfällt er in