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ist, zu singen an, um die Feldmaus wieder zu erheitern und zu er- mutigen; unter andern Liedern singt sie auch eins über„Bock“ Emser und Cochläus von Wendelstein, bekannte Verteidiger der katholischen Kirche. 1¹)
Zwei seiner Fabeln sind direkte Satiren, in denen die Fabel völlig verschwindet. Die Fabel vom Esel mit der Löwenhaut schwillt bei Alberus(No. 33) auf 120, mit der Moral auf 180 Verse an. Der Esel, der sich mit der Löwenhaut kleidet, wird zum großen Herrn, zum Papst, der durch seine Gebote die Menschen schreckt und narrt und sogar die Kaiser in Unterwürfigkeit hält. Das geht ums Jahr 600 nach Christus an und dauert 912 Jahre, bis den Leuten die Augen geöffnet werden durch Dr. Martin Luther. Die andere, von einem quacksalbernden Frosch, lehnt sich an die Epistolae obscurorum virorum an und verspottet die kirch- liche Wissenschaft und ihre Vertreter.(No. 40.)
In der Polemik ist Erasmus Alberus durchaus ein Kind seiner Zeit, vielleicht auch seiner Heimat, wenigstens nennt er sich selbst „einen groben Wedderawer, dem die Zung nit wol geschliffen ist.“
In einem Punkt aber weicht er, und zwar zu seinem Vorteil, durchaus von der Geschmacksrichtung seiner Zeit ab: in seinen 490 Fabeln mit der vielen Detailmalerei ſindet sich keine einzige Zote! Selbst nur sprachlich derbe und in guter Gesellschaft verpönte Ausdrücke, die er in seinen Vorlagen fand, sucht er, wie die Varianten der verschiedenen Auflagen zeigen, zu beseitigen. Hier ist Alberus geradezu zartfühlend, er zeigt ein fröhliches, aber reines Herz. Eine andere Eigenschaft tritt in seinen Fabeln hervor: Dankbarkeit. Den Orten, wo er gewesen ist, wenigstens im aufsteigenden Teil seines Lebens, bewahrt er ein liebe- volles treues Gedenken, woraus zugleich fröhliche Naturfreude spricht. Die Dreieich wird in der 20. Fabel beschrieben, dem Königsteiner Ländchen mit Ursel widmet er die Lokalisierung der 42. Fabel, von dort aus läßt sich auch leicht ein Abstecher ins Hessenland machen: Ob jemandt Bier wolt trincken gern, So ist das Hessenlandt nicht fern, Butschbach ligt in der näh dabey, Kaum auff ein meil wegs oder drey, Wen wolt solch kleine reyß verdriessen? Wer will, der findt gut bier zu Gießen.— Das waren noch gute Läufer, denen kams auf ein paar Meilen nicht an! Daß man dem Erasmus Alberus auf dem Feldberg noch kein Denkmal gesetzt, oder wenigstens eine Denktafel angebracht hat, ist billig zu verwundern, denn dem Feldberg widmet er(No. 25) geradezu begeisterte Verse. Die Poeten, die den Olymp, den Pelion,
¹) Im Eifer für seine Sache und in widrigen Lebensschicksalen hat übrigens Cochläus manches mit Alberus gemein. Vergl. Martin Spahn: Johannes Cochläus. Ein Lebensbild aus der Zeit der Kirchentrennung. Berlin 1898.


