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5. Friedberg als mittelalterliches Städtebild.
Was uns an den mittelalterlichen Städtebildern, wie sie jetzt durch die Wiedergabe der Kupferstiche Merians aus dem Theatrum Europaeum auf Ansichtspostkarten einem größeren Kreis zugänglich gemacht wer- den, äußerlich besonders erstaunt, sind die zahlreichen Türme.
Auf einer steilen Höhe erhebt sich gewöhnlich ein Schloß oder eine Burg mit starken Mauern und Befestigungstürmen. Im Schutze der Burg am Fuße des Berges erstreckt sich die Stadt, umgeben mit Mauern, deren Tore ebenfalls vielfach mit Türmen geschützt erscheinen, aus den dicht zusammengedrängten Häusern der mauerumgürteten Stadt aber ragen die Türme der zahlreichen Kirchen und Kapellen. Heute noch kann man ja Friedberg als die Stadt mit den Türmen bezeichnen, und doch zeigt ein Blick auf eine Ansichtspostkarte mit Friedberg nach Merian im Jahr 1640, wieviel zahlreicher damals noch dieser architektonische Schmuck war als gegenwärtig.
Von den vielen Türmen, die die alte Stadtmauer krönten, ist nur noch der rote Turm bei der jetzigen katholischen Kirche erhalten, der schon in einer Urkunde vom 26. März 1396 erwähnt wird.(U. B. No. 750 b) ¹1). Mit den Mauern ſielen bis auf zwei auch die Tore; das am frühesten, 20. Mai 13090, und am häufigsten genannte(U. B. No. 171, 227, 237, 238, 254 u. ä.) ist das Mainzer Tor(Meinteer dor, Menczer tor, Mentzer, Menzer porte), als andere werden im 13. und 14. Jahrhundert urkundlich bezeugt: das See- oder Seertor(26. Juni 12903 U. B. No. 100 u. a.), das Usertor, Fauerbacher Tor, das bei der Armen Ruhe und eins, das Dieffenbach als Badtor bezeichnet, nach dem U. B. aber als„altes Tor“ zu benennen wäre. ²) Auf der Höhe nach Dorheim-Schwalheim und auf dem Galgenberg vor dem Mainzer Tor erhoben sich zwei Warttürme, weitausschauende Wächter zu Seiten der alten Reichsstadt.
Aus dem Innern der Stadt zieht gegenwärtig zunächst die Stadt- kirche das Auge auf sich, mag man sie nun auf den Faltenzügen, die in der Richtung von Bruchenbrücken-Oberwöllstadt streichen, zuerst er- blicken, oder von der Hõöhe vor Dorheim-Ossenheim her der Stadt sich nähern, und doch sind ihre Türme, die großartig gedacht waren, nicht ausgebaut. Im Jahre 1306 war die Stadtkirche, wenigstens der ältere Teil, Chor und Querhaus, von Bischof Siegfried von Chur, in Gegenwart der Königin Elisabeth, der Herzöge von Oesterreich und von Sachsen
¹) Wenn ich mich durch das Friedberger Urkundenbuch, dessen 1. Band jetzt gedruckt vorliegt, vielleicht mehr gefangan nehmen liess, als es eigentlich im Plane der Arbeit lag, wird es der Geschichtsfreund verstehen und entschuldigen.
2²) Dieffenbach liest: A veteri porta estuaria magis vicina ad portam laci (G. F. 67). Das U. B. Nr. 109 aber: A veteri porta estuaria magis vicina.


