Aufsatz 
Familien- und Gemeindenbuch der Realschule Gernsheim am Rhein
Entstehung
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Vorwort.

Wie entstand vorliegende Arbeit? Für die Einweihung des neuen Realschulgebäudes sollten Ein- ladungen an die früheren Schüler ergehen, also mußten diese ermittelt werden. Vorhanden sind die Klassen- und Zensurlisten der höheren Bürgerschule 186695 und der Realschule von 1895 ab. Durch Vergleich dieser Listen konnten für jedes Jahr die ein- und ausgetretenen Schüler mit einiger Sicherheit ermittelt werden. Solche Verzeichnisse der in jedem Jahr eingetretenen Schüler haben gelegentlich ihrer 50jährigen Jubiläen in der Geschichte ihrer Anstalt z. B. die Realschulen zu Bingen und zu Oppenheim gedruckt.

Auch das einzige neuere als selbständige Programmbeilage erschienene biographische Schülerverzeichnis, das ich kenne, das der Königlichen Klosterschule zu Jffeld 1853-1903, ist nach Jahrgängen geordnet. Diese Anordnung hat zweifellos den Vorteil, daß die in einem bestimmten Jahre eingetretenen Schüler ihre Klassengenossen zusammen finden; sie reißt aber auch auseinander, was von Natur zusammen gehört: z. B. Brüder. Mir schien es natürlicher, unsere Schüler nicht nach Jahrgängen und Klassen, sondern sozusagen biologisch nach Familien und Gemeinden, den natürlichen Lebensgemeinschaften, zu ordnen, so daß der Sohn zum Vater, der Bruder zum Bruder kam. Es macht doch einen ganz anderen Eindruck, wenn da ein Vater aufmarschiert mit 4, 5, 6 Söhnen siehe z. B. Gernsheim Nr. 367 71, Nr. 385 88, 442 45, 451 56, 483 88, 522 25, 543 47, 591 95!, als wenn diese Söhne auf verschiedene Jahrgänge verteilt, verschwinden! Indem ich zugleich die Eltern beifügte, stehen jetzt schon hin und wieder drei Generationen beisammen. Gernsheim Nr. 146, 147, Nr. 155, 157 159, Nr. 235 und 236, Nr. 277 und 278 u. a. Wo die gleichlautenden Zunamen es nahelegten, wurde auch die Seitenverwandschaft zu ermitteln gesucht. So wurde aus einem Schüler- verzeichnis ein Familien- und Gemeindenbuch der Realschule Gernsheim.

Das alles machte freilich viel Mühe, und ohne die fleißige und verständnisvolle Mitarbeit unseres Schuldieners, des Herrn Wilhelm Parr, wäre ich schon im ersten Schreibwerk stecken geblieben, er hat vor allem die jährliche Zugangsliste festgestellt und nach ihr einen Zettelkatalog gefertigt und alphabetisch ge- ordnet. Die daraufhin entworfene Liste für Gernsheim hatten die Herren Polizeidiener Adler und Zivilstands- sekretär Grüll die Freundlichkeit, während der Weihnachtsferien mit mir durchzugehen, vieles zu berichtigen und zu ergänzen; zu ergänzen namentlich die Vornamen und Beizeichen und die jetzigen Adressen. Auch den Kollegen Böhm und Kaltenhäuser verdanke ich manche Hinweise.

In den Ortschaften besorgten viele Adressen einzelne Schüler und deren Eltern. Allen Beteiligten für die freundliche Mithilfe besten Dank!

Vollständigkeit ließ sich freilich nicht erreichen, und Irrtümer waren nicht zu vermeiden. Hoffentlich gibt das Verzeichnis Anlaß zu recht vielen Ergänzungen und Berichtigungen, die in den papierdurchschossenen Handexemplaren der Schule eingetragen werden.

Manches wurde auch absichtlich verdunkelt, denn es steckt in einer solchen Liste auch viel Kreuz und Leid und Menschenschicksal!

Wozu nun diese Arbeit, welchen Wert hat sie?

Zunächt einen praktischen. Wir konnten aufgrund dieser Liste unsere Einladungen zur Realschul- einweihung und vorher einen Aufruf an die früheren Schüler und Lehrer um Beiträge zu den Kosten des Festes und zur Erweiterung der Lehrmittel mit ziemlicher Vollständigkeit ergehen lassen, und dadurch wohl hatte der Aufruf einen so ungeahnten Erfolg, daß über 700 Mark eingingen. Für den Direktor ist außer- dem ein solches Nachschlageheft in vielen Fällen von Vorteil.

Die Zusammenstellung hat auch einen erzieherischen Wert. Wir haben in unseren Schulen jetaet Heimatkunde und verlangen nach Bürgerkunde. Fehlt da nicht etwas, was dazu gehört und eigentlich noch näher liegt und was man nennen könnte Familienkunde? Noch keine 10% unserer Schüler kennen, wie ich mich überzeugt habe, ihre Großeltern, und das an einer Land- schule mit seßhafter Bevölkerung! Was kann da die Schule tun? Nicht viel; immerhin etwas. Es ist der erste Schultag. Scheu blicken die Neueingetretenen den Lehrer und die Umgebung an. Da gebe ich jedem das Familien- und Gemeindenbuch der Realschule zu Gernsheim und sage: so, jetzt schlage einmal jeder seinen Ort auf und sehe, ob er seinen Namen findet. Ich, Herr Lehrer; hier! So, wer ist denn das? Das ist mein Bruder, mein Vater. Und das, füge ich hinzu, ist dein Onkel, dein Großvater.

Und nun gucken die Schüleraugen mich ganz erstaunt an, aber nicht mehr fremd, sondern freudig und vertraut. Und jetzt seht einmal nach, wen ihr sonst noch findet aus eurem Ort, den ihr kennt, und

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