Aufsatz 
König Konrad I., der Franke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

berichtet der St. Galler Chronist ¹) dieses Ereigniss. Nach ihm war es Sigfried, der Neffe des Bischofs Salomo, ein eifriger Anhänger des Königs, der die genannten Brüder in einem Walde, wo sie sich, ermü- det von den Anstrengungen einer Jagd, zum Schlafe niedergelegt hatten, überfiel und gefangen nahm. Sigfried liess seine Gefangenen, erzählt der Chronist weiter, gebunden vor die Diepoltsburg bringen und rief den Dienstmannen derselben, welche die Besatzung bildeten, zu, dass sie auf der Stelle den Bischof in Freiheit setzen sollten, widrigenfalls er die Gefangenen vor ihren Augen niederhauen lassen würde. Diese Drohung bewirkte die Freilassung des Bischofs, der gleichsam im Triumphe seinen Einzug in Constanz hielt und hier mit dem tausendstimmigen Jubelruf„Heil Herro, Heil Liebo!“ begrüsst wurde. Bald nachher hielt Erchanger's Gemahlin Bertha, mit Erlaubniss des Bischofs, unter Thränen eine Unter- redung mit ihrem gefangenen Gemahl. Dieser schien wirklich über sein bisheriges Benehmen Reue zu empſinden und bat Salomo fussfällig wegen der ihm zugefügten Kränkungen um Verzeihung. Gern bewil- ligte ihm diese der Bischof, mit der Erklärung, er für seine Person wolle auch jetzt wieder alle ihm wider- fahren Unbill vergessen und überlasse die ganze Angelegenheit der Entscheidung des Königes. Uebrigens wurden die schwäbischen Brüder auf Hohentwiel in festem Gewahrsam gehalten. Mag nun Konrad selbst sich der beiden Aufrührer bemächtigt haben oder mögen dieselben ihm von seinem Dienstmanne sigfried überliefert worden sein, genug, er bekam sie in seine Gewalt, und das Ergebniss des Gerichtes, welches er über sie halten liess, war, dass sie mit Landesverweisung bestraſt wurden.

Durch einige von Konrad bald nach diesen Begebenheiten in Forchheim unweit Bamberg ausgeslellte Urkunden*) scheint die Annahme, dass er nach glücklicher Beendigung der schwäbischen Angelegenheiten auch den widerspänstigen Arnulf durch einen Feldzug nach Baiern zum Gehorsam gebracht habe, bestätigt zu werden. Dieser bairische Feldzug wird von späteren Geschichtschreibern als eine durchaus erwiesene Thatsache betrachtet und von einem Theile derselben sogar mit vielen Einzelheiten erzählt*). Konrad, heisst es, belagerte den trotzigen Arnulf in seiner Hauptstadt Regensburg, eroberte dieselbe und nöthigte den Herzog, sich nach Salzburg zu flüchten. Hierauf hielt der König in Regensburg eine Versammlung der geistlichen und weltlichen Stände; letztere erklärten Arnulf als einen Friedensstörer in die Acht und jene verhängten über ihn den Kirchenbann mit den Worten:„Arnulf und seine Anhänger sollen, weil sie ihrem Könige und Herrn den schuldigen Gehorsam versagt haben, zur Hölle verdammt sein und aus derselben durch kein Versöhnungsmittel befreit werden können, vielmehr gleich dem Verräther Judas ewige Pein und Marter in derselben leiden“. Die Aufsicht über Baiern übertrug Konrad seinem Bruder Eberhard, welchem er auch die den Gebannten entzogenen Güter überliess. Aber forschen wir nach der Ouelle, aus welcher diese Nachrichten fliessen, so finden wir, dass es zwar Annalen sind, aber die Annales Boiorum, ein Werk des bairischen Historiographen Johann Thurmayr, genannt Aventinus, der im sechzehnten Jahrhundert in Regensburg lebte und gewöhnlich als der Vater der neueren bairischen Geschichtschreibung hetrachtet wird. Kein gleichzeitiger und kein späterer Geschichtschreiber vor Aventinus hat von diesen bairischen Vorfällen auch nur ein Wort, Aventinus ist also für dieselben der einzige Gewährsmann und eben darum wird man sie völlig aus der Geschichte verweisen müssen. Man könnte allerdings einwenden, Aventinus,

1) Ekkeh.(Pertz II, 86 und 87). 2) Böhmer Reg. Car. 119 N. 1251 ff. 3) Dahin gehört auch auffallender Weise der soust so vorsichtige Bünau IV, 252.