Aufsatz 
König Konrad I., der Franke
Entstehung
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sich die heftigste Feindschaft zwischen den genannten Kammerboten und dem Bischofe Salomo, dessen Dienste der König durch reiche Schenkungen von königlichen Kammergütern belohnt hatte. Die Kammer- boten liessen sich sogar in St. Gallen von ihrem leidenschafflichen Ingrimme zu roher Gewaltthat gegen den Bischof fortreissen und kaum gelang es diesem, durch Flucht ins wilde Turbenthal¹) sein Leben zu retten. König Arnulf liess die beiden Frevler durch ein Fürstengericht zu Ingelheim zum Tode verur- mheilen, doch erlangten sie bald nachher und zwar auf Fürsprache des Bischofs Salomo selbst Begnadigung und sogar Wiedereinsetzung in ihre frühere Würde*). Sie versöhnten sich nun mit dem Bischofe, verfeindeten sich aber bald nachher mit demselben aufs neue. Der St. Galler Chronist Ekkehard ³) erzählt die Veran- lassung dieses Zerwürfnisses auf seine Weise, wie folgt. Einst sassen die beiden Kammerboten und Bischof Salomo in heiterer Laune an der reichbesetzten Klostertafel zu St. Gallen. Da rühmte der Bischof in etwas übertreibenden Ausdrücken und mit zu wenig Vorsicht den grossen Reichthum des Klosters, dessen ungeheure Speicher und Keller, Oefen, Kesscl und Malzdörren, überdies die grosse Zahl der Leibeigenen desselben, welches so stattliche Leute seien, dass die Kammerboten dieselben gewiss für vornehme Herrn ansehen und durch Hutabziehen begrüssen würden. Nun trieb aber der Bischof seinen Scherz in sehr unpassender Weise auf die Spitze, indem er nach aufgehobener Tafel bei einem Spaziergange den Kammer- boten wirklich einige Leibeigene des Klosters in einer Verkleidung vorstellte, welche jene bewog, ehrer- bietig den Hut abzunehmen und sich dadurch dem Gelächter der Umstehenden preiszugeben. So der Chronist. Doch wird der eigentliche Grund der Feindschaft wol darin zu suchen sein, das Erchanger und Berthold bei ihrem Streben nach Erweiterung ihrer Macht und insbesondere nach der schwäbischen Her- zogswürde in dem Bischofe Salomo, der das Interesse des Königes stets mit Muth und Nachdruck verthei- digte, ihren gewichtigsten Gegner erkannten. Doch gelang es den Kammerboten wirklich bald nachher ihr Ziel zu erreiehen. Als nämlich im Jahre 913 die Ungarn aufs neue in Baiern eindrangen, ver- banden sie sich zu gemeinsamer Abwehr des furchtbaren Feindes mit ihrem tapfern Neffen Arnulf, der sich damals in Baiern im Besitze der Herzogsgewalt befand. Arnulf war ein Sohn des früher gegen die Ungarn gefallenen Herzogs Liutpold von Baiern und Kunigundens, einer Schwester der schwähischen Kammerboten. Die vereinigten Heere der Baiern und Schwaben vernichteten nun in der Nähe des Innflusses 913 das Heer der Ungarn in einer furchtbaren Schlacht und in ganz Deutschland wurden die Sieger ob dieser glänzenden Waffenthat gepriesen, namentlich aber fühlten sich die Baiern und Schwaben ihren tapfern Anführern dankbar verpflichtet. Diese verstanden die durch das Kriegsglück herbeigeführte Erhöhung ihres Ansehens trefflich zu benutzen und während Arnulf in Baiern fast als unumschränkter Gebieter waltete, ohne sich im geringsten um Konrad's königliches Ansehen zu kümmern, erklärte sich Erchanger offen zum Herzoge von Schwaben und wurde auch in diesem Lande als solcher anerkannt. Der König Konrad musste diesen Ereignissen ruhig zusehen, denn gerade damals war er in Lothringen beschäftigt und gleich- zeitig nahmen, wie wir nachher hören werden, noch wichtigere Vorfälle in Sachsen seine Thätigkeit in Anspruch. Noch im Jahre 913 erschien er aber in Schwaben und da ihm der neue Schwabenherzog Erchanger als solcher den Eid der Treue leistete, so ertheilte ihm Konrad, der vor Allem die innere

1) Vallis Turbata, nicht weit vom heutigen Winterthur im Kanton Zürich. 2) Ekkehard ap. Pertz II, 83. 3) Ekkehard ap. Pertz II, 85. Stälin I, 268 ff.