Aufsatz 
Feier des 75jährigen Bestehens der Realschule und Einweihung des Neubaues der Oberrealschule in Mainz, 24. - 25. April 1906. Festbericht
Entstehung
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Doch drunten, wo in Klamm und Enge Der Rhein ſich freie Bahn erzwingt, Hörſt du ein Danklied noch ertönen, Das an den Riffen widerklingt:

Dort hat dein Walpod, der Befreier, Manch Räuberneſt in Brand gelegt Und mit Gewalt, gleich Hagelwettern, Die Stegreifbrut hinweggefegt.

Und Gutenberg! welch hoher Name, Den dankbar nennt das Erdenrund Als Waffenſchmied im Freiheitskampfe, Als Winkelried im Geiſterbund! Wo auch am Rhein ich ſuchend wandre, Vom Gletſchereis dem Meere zu,

Du goldnes Mainz, voran vor allen, Solch hohe Helden haſt nur du!

Mög' ſtets des Glückes Sonne leuchten Dir, ſtolzer deutſcher Vater Rhein; Mit Herzblut biſt du uns erkämpfet, Und unſer Herz bleibt ewig dein!

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An geweihter Stätte. Vorgetragen von Oskar Friſch la.

Der Herbſtesſonne letzte Strahlen Verſchwimmen drunten auf dem Rhein, Des Mäuſeturmes alte Mauern Umdämmert noch der Abendſchein.

Und rings der Reben Laubgewinde An Felsgeſtein und ſteiler Wand, Sie liegen purpurübergoſſen,

Wie ein verzaubert Märchenland.

Noch fluten letzte Feuergarben Hin durch des Rheines Felſentor Und tragen ihre Scheidegrüße Zur Wand des Ehrenfels empor.

Dort, wo des deutſchen Stromes Woge Laut dröhnend an die Felſen prallt, Winkt Gruß zurück des Reiches Bollwerk Die Rheineswacht vom Niederwald.

Hoch ragt aus mächt'ger Eichen Schatten Germania, fried⸗ wie kampfbereit;

Ein Denkmal, das ſich ſelbſt errichtet Ein einig Volk in großer Zeit.

In Tagen, da auf Heldengräber

Der Fahnen Fetzen ſich geſenkt,

Da mit dem Opferblut der Beſten Man Frankreichs Erde hat getränkt!

Drum, wie der ſteile Fels umgürtet Der deutſchen Einheit Trutzgeſtalt, Sind unſres Kaiſerthrones Stufen Von deutſcher Treue Trutz umwallt.

Lang ſaß ich ſo in Schaun verſunken Des ſeltnen Bildes Herrlichkeit,

Und ſtill zog mir am Geiſt vorüber Jungdeutſchlands ſtolze Heldenzeit.

Da tönen ferne Glockenklänge:

Das Ave rufet zum Gebet,

Wo ſchon ſeit grauer Vorzeit Tagen Auf hohem Fels ein Kirchlein ſteht.

Wo einſt in frommer Klausnerzelle Am Rochusberg die Laute klang, Als hin vom Rhein in alle Gaue Des Gotteswortes Odem drang.

Des hehren Hauſes Turm umflutet

Der Sonne letzter Feuerſchein, Hell ſtrahlt das Kreuz auf hoher Kuppel, Noch grüßend in das Land hinein.

Bald war der letzte Strahl verglommen, Des Glöckleins Ton, er war verweht; Doch mir klang in der Seele wieder

Ein ſtill und inniglich Gebet:

Erhalt' uns, Gott, die deutſche Treue Und echte, reine Frömmigkeit,

So ſtehen wir zu Schutz gerüſtet

Im ernſten Kampfe dieſer Zeit.

Dann mögen Wetter rings umbrauſen Der deutſchen Eiche weit Geäſt,

Wir werden wanken nicht, noch weichen: Dann ſteht Germania felſenfeſt!

Geſang: Germania am Niederwald von Ariegeskotten, ged. von C. Schultes.