Aufsatz 
Welche Beziehungen können am Reformrealgymnasium zwischen dem Englischen und Lateinischen hergestellt werden? Ein Beitrag zur Konzentration im Sprachunterricht
Entstehung
Einzelbild herunterladen

54

3. Erziehung durch Schule und Elternhaus.

Ihre erziehliche Aufgabe vermag die Schule nur dann mit Erfolg zu lösen, wenn sie von dem Elternhause gehörig unterstützt wird. Zur Ordnung und Pünktlichkeit, zum Fleiſs und zur gewissenhaften Befolgung aller Anordnungen der Schule müssen die Schüler zunächst im Elternhause sorgfältig erzogen werden. Namentlich ist hier darüber zu wachen, dass die Zerstreuung, welche das Leben und Treiben der Kurstadt mit sich bringt, von der Jugend möglichst ferngehalten, daſs vielmehr durch eifrige Beteiligung an dem von der Schule geleiteten turnerischen Spiel ein frischer Jugendsinn geweckt werde. Vor allen Dingen ist zu verhüten, daſs die Schüler durch Teilnahme an verbotenen Verbindungen, durch vorzeitiges Nachahmen studentischen Tuns und Treibens die ernstlichste Gefahr laufen. Es kann auch nicht gutgeheiſsen werden, dafs Schüler, wenn auch in noch so loser Be- ziehung, Mitglieder von auſserhalb des Schulverbandes stehenden Vereinen, z. B. Gesang- und Turnvereinen, sind.

Durch den Erlaſßs vom 29. April 1897 hat der Herr Minister die schwierige Aufgabe der Schule wie die oft genug verkannte ernste Pflicht des Elternhauses nach- drücklich hervorgehoben mit folgenden Worten:Wenn freilich, wie dies die vielfach ungesunden Verhältnisse namentlich des groſsstädtischen Lebens leider mit sich bringen, im Elternhause selbst es an religiöser Gesinnung und sittlicher Zucht fehlt, wenn die Knaben von ihren Eltern früh aller Kindlichkeit entwöhnt, wenn ihnen Genüsse zugänglich gemacht und Dinge in ihrer Gegenwart besprochen werden, die sich günstigenfalls vielleicht für Männer, nicht aber für Kinder schicken, wenn diese vor dem verderblichen Einfluſs frivoler Preſserzeugnisse nicht behütet werden, dann ist es kein Wunder, daſs in den Köpfen unreifer Knaben und Jünglinge die Begriffe sich verwirren und der erziehliche Einfluſs, den die Schule durch Lehre, Warnung und Vorbild auszuüben berufen ist, nicht zur Geltung kommt.

Es liegt im eigensten Interesse ihrer Söhne, wenn die Eltern einen regen Verkehr mit der Schule unterhalten.

Der Direktor ist an allen Schultagen von 11 12 Uhr Zimmer 16 in allen die Anstalt und ihre Schüler(namentlich der Klassen OI bis OIII) betreffenden Angelegenheiten, der Direktionsgehilfe(Prof. Dr. Klein) täglich von 12 1 Uhr Zimmer 16 a für die Klassen U III bis IV und die Vorschule, jeder andere Lehrer wöchentlich zu sprechen. Über Ort und Stunde gibt ein Aushang auf dem Flur Auskunft. Aufserdem befindet sich, unter Beschränkung auf die Lehrer der betreffenden Klasse, ein entsprechender Anschlag in dem Klassenzimmer.

Nur von einem verständigen, vertrauensvollen Zusammenwirken von Schule und Haus kann die gedeihliche Lösung der erziehlichen Aufgabe erwartet werden.