Aufsatz 
Bemerkungen zu Eigil's Nachrichten über die Gründung und Urgeschichte des Klosters Fulda
Entstehung
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des Mittelalters aufgenommen, ein alter und vielverbreiteter Mißgriff, auf welchen ſchon von Delius(Erſch und Gruber's Encykl. XlIII, S. 305) und noch in neueſter Zeit von Dr. Landau(die Territorien u. ſ. w. S. 138 Anm.) aufmerkſam gemacht worden iſt. Letzterer bemerkt mit Recht:Ebenſo irrthümlich iſt es aber auch, von einem pagus Buchonia zu reden. Buchonia iſt lediglich ein allgemeiner Waldname, der ſich auch nicht einmal auf das Grabfeld beſchränkte, ſondern auch über Theile des fränkiſchen Heſſengaues, des Oberlahn⸗ gaues, des Salgaues und der Wettereiba erſtreckte. In zahlreichen Urkunden findet ſich die Bezeichnung: in silva Buchonia, in vasta solitudine Buchonia, in vasta Buchonia, in Waldo Buchonia(vgl. Wenck Ur⸗ kundenbuch, Dronke Cod. Dipl. Fuld. und ähnliche Sammlungen), aber einem pagus Buchonia wird man ſchwerlich begegnen und ſollte dieſe Bezeichnung, wie behauptet wird, wirklich vorkommen, ſo würde pagus nicht im Sinne vonGau als politiſcher Reichskreis, ſondern im allgemeinen Sinne vonLandſchaft, Gegend zu faſſen ſein. Man findet allerdings in Urkunden das Wort in dieſem Sinne zuweilen gebraucht, aber Niemand wird, wenn er z. B. pagus Austriæ lieſt, auf den Gedanken kommen, daß es einen Gau dieſes Namens gegeben habe, ſondern unter dieſer Bezeichnung die Provinz Oſtfranken oder auch die bairiſche Oſtmark(Niederoͤſterreich) verſtehen. Alle Orte, welche man in den angeblichen Gau Buchonia verlegt hat, laſſen ſich als zu andern wirklichen Gauen gehörig nachweiſen, wie denn z. B. das Kloſter Hersfeld im Heſſengau, das Kloſter Fulda ſelbſt mit dem rechts des Fluſſes gehörigen Theile ſeiner Mark dem oſtfränkiſchen Gaue Grabfeld angehörte.

Von ungemeiner Wichtigkeit für die Geographie Oſtfrankens iſt eine am 1. Dec. 889 zu Frankfurt von König Arnulf ausgeſtellte Urkunde, in welcher derſelbe dem Biſchofe Arno von Würzburg den Zehnten der von den Slaven in Oſtfranken dem königlichen Fiscus zukommenden Einkünfte(Steora oder Ostarstuo- pha) beſtätigt(Mon. Boic. XXVIII, nr. 71 und Eckhart comm. de Fr. or. II, 895, wo jedoch der Gollachgau ausgelaſſen iſt). Die betreffende Stelle dieſer Urkunde, in welcher 17 oſtfränkiſche Gaue aufgeführt werden, lautet: sive in melle, sive in platenis seu in alia qualibet redibitione, quae ut diximus in Pagis Orientalium Francorum persolvebatur, id est in Pago Waldsazzi(Waldſaſſen) et de Pago Thubergowe(Tauber⸗ gau) et Wingartweiba(Wingarteiba) et Jagasgewi(Jaxtgau), Mulaihgewi(Mulachgau), Nek⸗ kergewi(Neckargau) et Chohargewi(Kochergau) et Rangewi(Rangau) et Gollachgewi(Gol⸗ lachgau) et Iphgewi(Ipfgau), Hasagewi(Haßgau, nicht zu verwechſeln mit dem Heſſengau) et Grafeld (Grabfeld) et Dullifield(Tullifeld), Salagewi(Saalgau), Weringewi(Weringau), Gozfeld(Gotz⸗ feld) et Badanachgewi(Badengau). Dieſe Urkunde nennt zwar nicht alle Gaue Oſtfrankens, da dieſe Provinz des deutſchen Reiches in 32 Gaue und Untergaue zerfiel; allein der Gau Buchonia hätte in ihr, da ſie gerade die 17 öſtlichen Gaue, welche zum Bisthume Würzburg gehörten, vollſtändig aufzählt, noth⸗ wendig vorkommen müſſen, wenn es einen ſolchen gegeben hätte.

Man wird ſich endlich entſchließen müſſen, von dem alten Fehlgriffe, mit welchem Schannat vorange⸗ gangen iſt, den weſtlichen Theil des Grabfeldes(vom Gebiete der Ulſter ab) von dieſem Gaue abzuſondern und als einen beſondern Gau zu bezeichnen, ſich loszuſagen und nicht ferner von einemGaue Buchonia zu ſprechen.

Im Folgenden wollen wir die älteſten, wirklichen oder vermeintlichen, Erwähnungen des Buchenwaldes kurz beleuchten. Es iſt bekannt, daß viele Hiſtoriker und Geographen in der im Ganzen nur einmal und zwar von Cäſar(de bello Gallico VI, 10) erwähnten silva Bacenis(Baxcven bei dem Metaphr.) die silva Buchonia des Mittelalters finden wollen. Dieſe Meinung wurde wahrſcheinlich zuerſt von Gatterer(Synchron. Univerſalhiſt. S. 703) ausgeſprochen und ſpäter von Mannert getheilt, welcher unter 4 silva Bacenis den