Aufsatz 
Der Bruderkrieg der Söhne Ludwig's des Frommen und der Vertrag zu Verdun / nach den Quellen dargestellt von Karl Schwartz
Entstehung
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zur Entscheidung vor und erklärten, dass sie Alles, was ihnen jene nach göttlicher Eingebung ra- then würden, auszuführen bereit seien.“) Nachdem nun die Bischöfe und Priester sich einstimmig für die Wiederherstellung des Friedens ausſesprochen hatten, eröffneten die Rönige den Gesandten Lothar's, dass sie bereit seien, auf seinen Antrag einzugehen ²) und ihm neben Langobardien noch den dritten Theil des Reiches, mit Ausschluss von Daiern und Aquitanien, einzuräumen. Hierauf schritten sie ungesäumt zu einer neuen Reichstheilung und gelangten, nachdem die Berathungen et- wa vier Toge gedauert hatten, endlich zu dem Ergebnisse, dass Lothar'n aufser dem langobardischen Rönigreiche ³) noch das Gebiet zugetheilt werden sollte, welches östlich von dem Rheine und den Alpen, westlich von der Maas, Saone und Rhone, den ganzen Lauf dieser Flüsse entlang bis zur Nordsee und dem Mittelmeere, begrenzt würde.*) Um aber zu verhüten, dass Lothar durek diese Nachgiebigkeit seiner Gegner sich aufs neue zum Uebermuthe fortreifsen liefse, sollte dem neuen Theilungsvorschlage die feste Erklärung beigefügt werden, dass die verbündeten Rönige sich zu noch gröſseren Zugeständnissen in keinem Falle verstehen würden und dass sie, falls ihr Anerbie- ten zurückgewiesen werden sollte, die Entscheidung ihrer Sache auf den Ausgang einer zweiten Schlacht ankommen zu lassen, entschlossen seien. 5) Zwar waren unter den Vasallen mehrere der Ansicht, dass Lofhar einer so grofsmüthigen Dehandlung von Seiten seiner Brüder ganz unwürdig sei nnd dass man ihm weit über die Grenzen des Rechtes und der Billigkeit hinaus Nachgiebigkeit und Schonung beweise; ⁶) allein ihre Stimme verhallte ungehört und konnte die Rönige von dem einmal hetretenen Wege der Unterhandlungen nicht wieder entfernen. So begaben sich denn die Grafen Cobbo, Adhelard und Ronrad, der Bruder der Raiserin Judith, in Lothar's Lager, um dem- selben die Vorschläge seiner Brüder zu überbringen; diese aber beschlossen, in Mussy die Rück- kehr ihrer Gesandten abzuwarten.*). Lotbar freute sich nicht wenig, als er seine Frigdensanträße so unerwartet schnell von seinen Brüdern angenommen sah. Aher er würde seinen Charakter verleugnet haben, wenn er jetzt sei- nem früheren Worte tren geblieben wäre und keinen Versuch gemacht hätte, die Nachgiebigkeit seiner Brüder aufs neue zu seinem Vortheile auszubenten. Er hatte sich iberzeugt, dass seine Geg- ner den Frieden wünschten; dies steigerte seinen Mutl, dies erhob ihn aufs neue zu kühnen IIoff- nungen, und die Miene, mit weleher er die Gesandten seiner Brüder empfing, war eben nicht sehr von derjenigen verschieden, welche er früher bei ähnlichen Gelegenheiten angenommen hatte. ¹5) Er könne, liefs er sich gegen die Gesandten vernehmen, unmöglich auf die Anträge seiner Brüder ein-

1) Nith. 1. c. ut quocumque divina auctoritas id vertere vellet, nutu ipsius libenti animo praesto adessent

2) Nith. l. c. sagt mit gewohnter Kürze: postulata concedunt. Aus dem Folgenden ergibt sich, dass der zweite Antrag Lothar's gemeint ist. Auf die Annahme des ersten rechnete Lothar wol selbst nicht, wesshalb er sogleich den zweiten hinzufügte. ¹

3) Die kleine Lücke bei Nith. I. c. nach absque ist von Pertz ohne Zweifel durch das Wort Lan gobardia richtig ausgefüllt, da die Worte absque Langobardia bei Erwähnung dieser Reichstheilung in demselben Ca b noch zweimal vorkommen und auch im Anfange des folgenden Cap. noch einmal wiederkehren. P.

4) Nith. I. c. inter Renum et Mosam usque ad exortum Mosae, ac deinde ad exortum Saugonuae, et sic per Sangonnam usque ad confluentum Rodani et sic deinde per Rodanum usque in mare Tyrrenum eto 1

5) Nith. 1. c. et si hanc recipere rennuat, quid cuique debeatur armis decernant.—

6) Nith. 1. c. Quod quidem, quamquam ultra quod iustum ac congruum, ut duibusdam videbatur, inventum fuerit etc.— 7) Nith. 1. c. 1

8) Nith. IV, 3 Pertz II, 670: Reppererbant illum paululum minus solito more animatum. Das paululum ist zu urgiren und der Sinn der Stelle: Sein Benehmen gegen die Gesandten war nur sehr wenig von seinem früheren Uebermuthe entferut.