IV
Die Grundsätze, von welchen ich bei, dieser Arbeit geleitet wurde, werden aus dem Inhalte derselben leicht zu erkennen sein und ich gestatte mir daher, um den Umfang derselben nicht noch mehr auszudehnen, nur folgende Bemerkungen. Ich habe mich nach Kräften bemüht, durch Quellenstudium und Benutzung aller mir zu Gebote stehenden literarischen Hilfsmittel mich mit den Begebenheiten, deren Schilderung ich versuchen wollte, vertraut zu machen. Pertz Monumenta Germaniæ Historica, welche auf jeder Seite von deutschem Fleiſse und deutscher Gründlichkeit das ruhmvollste Zeugniss ab- legen, haben mir das Quellenstudium sehr erleichtert und ich fühle mich zum innigsten Danke gegen einen Mann verpflichtet, der um die ehrwürdigen Denkmäler des Mittelalters sich so groſse Verdienste erworben und sich ebendadurch selbst ein unsterbliches Denkmal gesetzt hat. Möge er in stets ungeschwächter Kraft das herrliche Nationalwerk weiter- führen! Nithard's Geschichtswerk musste, da es allein unter den Quellenschriften den Bruderkrieg in zusammenhangender Darstellung behandelt, meiner Arbeit vorzugsweise zum Grunde gelegt werden. Durch ein genaueres Studium Nithard's bin ich auch von einem Vorurtheile, welches ich gegen diesen Schriftsteller früher gehabt zu haben eingestehe, befreit worden und zu der Ueberzeugung gelangt, dass der Vorwurf der Parteilichkeit, welcher demselben so oft gemacht worden ist, sich aus seinem Werke nur sehr ungenügend begründen lässt. Ich hoffe später einmal den Beweis führen zu können, dass die politische Ansicht Nithard's und das Verhältniss, in welchem er zu seinem Könige stand, seinen Werth als Geschichtschreiber entweder gar nicht oder doch nur in sehr geringem Grade beeinträchtigen.— Mit Nithard habe ich die Annalisten überall verglichen, auch die späteren Geschichtschreiber des Mittelalters, wo es mir zweckmäfsig schien, zu Rathe gezogen und namentlich auch die Urkunden aus jener Zeit nicht unberücksichtigt gelassen. Um die ziemlich dürftigen Nachrichten über die Schlacht bei Fontenaille einigermaſsen zu ergänzen, habe ich die Angaben des Agnellus nicht übersehen zu dürfen geglaubt; doch konnte ich die betreffenden Stellen nur aus den Auszügen in Muratori'’s Annalen, nicht aus Ag- nellus selbst kennen lernen, da Muratori's Scriptores rerum Italicarum, was ich bei meinen historischen Studien schon so oft zu beklagen Ursache hatte, in den hiesigen Bibliotheken nicht vorhanden sind. Aus demselben Grunde musste ich auch auf die Benutzung mehrerer neueren Werke über die Geschichte des Mittelalters sowie über deutsche und französische Geschichte leider verzichten. Der Angabe der von mir benutzten neueren Hilfsmittel glaube ich, da dieselbe bereits in den Anmerkungen enthalten ist, mich hier überheben zu müssen. Dass ich auf die Fehler und Unrichtigkeiten sowie auf die ungenauen und unbegründeten Angaben, welche Ludens„Geschichte des teutschen Volkes“ sowol im Texte als in den Anmerkungen leider in nicht geringer Anzahl enthält, hingewiesen und dieselben,
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