Aufsatz 
Philologisch-kritische Untersuchung über die Redensarten: nescio an ullus und nescio an nullus
Entstehung
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Es iſt dies allerdings ein Pleonasmus, der aber nicht mehr auffallen wird, wenn man erwägt, daß die Lateiner ebenſo an das Fragzeichen num zuweilen pleona⸗ ſtiſch ein zweytes Fragzeichen ne hängen, z. B. Cic. de nat. D.: Deum ipsum numne vidisti? Turſellinus (de particulis) ſagt: es geſchehe dies vehementius inter- rogandi gratia.

§. 5.

Dieſe Bemerkungen mußte ich nothwendig voraus⸗ ſchicken, um deutlich zu machen, woher es komme, daß an nach nescio und andern verbis dubitandi, als dubi- to, quaeritur, incertum est, non liquet etc. bald ob, bald ob nicht heiße. Die Redensart nescio an (nebſt andern ihr ähnlichen) iſt namlich eine nicht völlig ausgeſprochene indirecte Doppelfrage, wovon das zweyte Fragglied negativ iſt. Wird eine ſolche Doppelfrage voll⸗ ſtändig gegeben, ſo enthält ſie eine gänzliche Unge⸗ wißheit zwiſchen zwey entgegengeſetzten Fällen, z. B. nescio an vera dixerit, annon; wird aber nur eins der beyden Fragglieder geſetzt, ſo drückt man in dem dadurch ausgeſprochenen, negativen oder affirmativen, Urtheile

entweder: einen Zweifel eine Vermuthung eine Wahrſcheinlichkeit, oder: mehr als Zweifel, Vermuthung und Wahrſchein⸗ lichkeit eine Gewißheit mit Beſcheidenheit aus. Zur Bezeichnung des Zweifels ac. gebraucht man im Deutſchen gewöhnlich das Adverbium vielleicht oder die andern, ſchon oben an⸗ gegebenen dubitativen Wörter und Redensarten, die