Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 2. Teil
Entstehung
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18. Juni bis 13. Juli 1793 dauerte die Beschießung der Stadt. ¹) Am letztgenannten Tage trat der französische General d'Oyré mit dem Befehlshaber der Belagerungsarmee in Unterhand- lungen. Am 22. Juli genehmigte der französische Kriegsrat einstimmig die vorgeschlagenen Bedingungen. Am 23. Juli wurde die Xapitulation in das preußische Hauptquartier überbracht. Die Franzosen verließen mit 18 675 Mann, Kranke und Verwundete eingerechnet, die Stadt. Ihre Verluste dürf- ten im ganzen 6000 Mann nicht erreicht haben. Die Einbuße der deutschen Belagerungsarmee war im Verhältnis hierzu gering. Sie zählte an Toten 24 Offiziere und 489 Mann, an Verwundeten 93 Offiziere und 1931 Mann, an Gefangenen 7 Offiziere und 278 Mann. Die beträchtlichsten Verluste erlitt die Stadt Mainz selbst. Viele Bürger hatten durch Aus- weisung ihr Heim und ihr Vermögen verloren. Daneben waren zahlreiche Gebäude, namentlich in der Nähe des Domes, durch Brandschäden vernichtet; denn dieser bildete nach Goethes Zeugnis besonders am 23. Juni 1793 den An- griffspunkt. Die geraden Straßen wie Höfchen, Ludwigs-, Schöffer-, Fust- und Dominikanerstraße verdanken ihr Ent- stehen den Zerstörungen im Jahre 1793.

Das Unglück für Mainz bestand darin, daß Belagerer wie Belagerte an der Stadt nur militärisches Interesse hatten. Die Preußen hätten weniger energisch bombardiert, wenn sie Mainz für sich erobert hätten. Die Franzosen hätten den Widerstand früher aufgegeben, wenn die Heimsuchungen der Belagerung ihre Stammesbrüder betroffen hätten.

Auch nach dem 23. Juli 1793 trat für die Festung Main⸗z keine Zeit der Ruhe ein;²) denn der französischen Regierung erschien ihr Besitz wünschenswert. So befürchtete man im Januar 1794 einen Anmarsch der Franzosen. Im November 1794 begannen diese, aufs neue die Stadt einzuschließen. Der Gouverneur der Festung, der österreichische General- major von Neu, traf tatkräftige Gegenmaßregeln. Die Trup- pen wurden vermehrt, die Außenwerke verstärkt, Lebens- mittel aufgespeichert. Im Dezember 1794 griffen die Fran- zosen die Klubistenschanze oberhalb Zahlbach an, eroberten sie zweimal an einem Tage, wurden aber zweimal wieder daraus verdrängt. Sie begnügten sich daher, Mainz von Laubenheim bis Mombach einzuschließen, ein Zustand, der

²) K. G. Bockenheimer, Wie Mainz zum zweitenmal an Frank- reich lam. Mainz 1897, 1. BuchRückblick auf die Jahre 1793 bis 1796 S. 153.