Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 2. Teil
Entstehung
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Orléans, mit Elisabeth Charlotte, der Schwester des kinderlos verstorbenen Kurfürsten von der Pfalz, vermählt war. Da der französische König gleichzeitig seinem Günstling, dem Kölner Dompropst und Straßburger Bischof Wilhelm Egon Fürsten von Fürstenberg, das Kölner Erzbistum verschaffen wollte, so ließ er das linke Rheinufer vom Elsaß bis nach Köln hin besetzen. Vor Mainz erschien am 15. Oktober 1688 der französische General Marquis Bouffleurs mit 20 000 Mann und fragte an, ob der Mainzer Kurfürst Anselm Fran⸗ von Ingelheim bereit sei, eine französische Besatzung in die Stadt aufzunehmen; andernfalls werde er, der französische General, sich mit Gewalt der Stadt bemächtigen und das Erzstift verwüsten. Am 17. Oktober 1683 unterzeichneten der Kurfürst, das Domkapitel und Marquis Bouffleurs den Vertrag, dem zufolge Mainz in die Hände der Franzosen über- ging, dem Kurfürsten aber die volle und freie Ausübung seiner Regentenrechte verbrieft wurde. Da sich Anselm Fran⸗ in dieser Hinsicht schwer enttäuscht sah, verließ er am 25. November 1688 die Stadt. Mit ihm zogen die kurmainzer Truppen ab. Eine Besatzung von 10 000 Franzosen kam an ihre Stelle. Kommandant der Festung wurde Marquis von Uxelles. Trotzdem Kaiser Leopold I. entschlossen Gegen- maßregeln traf, konnte Herzog Karl von Lothringen, dem der Oberbefehl über das Heer am Rhein übertragen war, erst am 30. Mai 1639 in Hofheim am NMain eintreffen. Der UÜbergang der Reichstruppen über den Rhein mußte weit unterhalb von Mainz in einzelnen Abteilungen stattfinden. Am 16. Juni 1689 erschien, von Gau-Algesheim kommend, Karl von Lothringen vor Mainz. Die Angriffe der Belage- rungsarmee richteten sich hauptsächlich gegen die Zitadelle sowie gegen die Bastionen Bonifaz und Alexander¹) zwischen Gautor und Münstertor; auch von der Kasteler Seite wurde gefeuert. Die Bomben verursachten in der Stadt zahlreiche Brände, deren Löschung den Bürgern oblag. Außerdem mußten diese schwere Kontributionen entrichten und Sach-

¹) Die Deutschen bestürmten diese beiden Bastionen von der Höhe aus, die sich östlich des Dalheimer Klosters hinzieht. Hier wurde u. a. am 6. September 16389 der Kommandeur des Infanterie- Regimentes Alt-Starhemberg, Oberstleutnant Graf Karl Adam von Lamberg., tödlich verwundet. Kautzsch-Neeb der Mainzer Dom S. 300 ff. u. Tafel 60. In dem Pfarrregister des Mainzer Domes (Mainz. Standesamt) findet sich folgender, bisher unbeachteter Eintrag hinter August 1639: In choro ferreo; illustrissimus Comes Carolus Adamus à Lamberg. Caesareae Maiestatis Camerarius, legionis sub seniore Comite de Starenberg, Supremus Lieutenant, in assultu obsidionis Moguntinae in monte prope Dahlheim, globo tormentario tactus, vixit adhuc per mediam horam et omnibus sacramentis rite munitus obiit.