Aufsatz 
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37 Schlussbemerkungen:

Im vorstehenden sind nur Anregungen und Hilfen gegeben. wie der Geschichtsunterricht durch Heranziehung der Heimat- geschichte anschaulicher und lebendiger gestaltet werden kann. Es ist unmöglich, in einem Lehrgange auf alle vor- gebrachten Einzelheiten einzugehen. Der betreffende Lehrer mag sich nach seiner methodischen Vorbildung, dem Stande séeiner Kenntnisse und nach seinem Geschmacke dieses oder jenes auswählen und zum Gegenstande der Frörterung machen. Der Einwand, es gehe das Vorgeführte rasch wieder verloren, wenn es nicht in einem Lehrbuch eine Stütze finde, ist in diesem Falle nicht stichhaltig. Einzelheiten, die zur lebendigeren Gestaltung des Unterrichtes dienen, brauchen überhaupt nicht im Gedächtnis bewahrt zu werden. Es ist beispielsweise für die Beurteilung der Geschichtskenntnisse eines Schülers völlig gleichgültig, ob er weiß, wie viele und welche deutschen Könige in Mainz gekrönt wurden. Vielleicht haftet aber doch bei dem einsichtigeren Unterprimaner die Erkenntnis, daß die Krönung in Mainz mit dem Erststimmrecht des Mainzer Erz- bischofes aufs engste zusammenhängt. Und das wäre reicher Gewinn! Begriffe, die durch Einzelheiten aus der Heimat- geschichte erarbeitet werden, laufen ebensowenig Gefahr. wieder verloren zu gehen. Wem der Unterschied zwischen Geschlechtern und Zünften an den Mainzer Zunftkämpfen und ihren Folgen klar wurde, dem wird er so leicht nicht ent- schwinden, wenn er auch alle Einzelheiten vergißt.

Wofern die Heimatgeschichte in dieser Weise zur leben- digeren Gestaltung des Geschichtsunterrichtes und zur Er- arbeitung ferner liegender Begriffe dient, so ergibt sich hier- aus, daß sie nicht einen Maßstab abgeben kann, um die Ge- schichtskenntnisse einer Klasse festzustellen. Der Mainzer Gymnasiast, der neben einem Großen Kurfürsten einen Johann Philipp von Schönborn, neben einem Friedrich dem Großen einen Emmerich Joseph als Vertreter des Absolutismus mit höheren Zielen zu nennen vermag, hat in diesem Falle den richtigen Nutzen aus der Heimatgeschichte gezogen. Von ihm zu verlangen, daß er die Regierungszeit der betreffenden Mainzer Kurfürsten angebe, wäre abgeschmackt. Klar da- gegen muß dem Mainzer Oberprimaner aus der Mainzer Ge- schichte einzig vor Augen stehen, daß Mainz vor 979 eine königliche, von da bis 1244 eine erzbischöfliche, von 1244 bis 1462 eine freie, von 1462 bis 1797 eine kurfürstliche Stadt war.

Heimatgeschichte soll für Schüler und Lehrer eine Fr- quickung, nicht eine Last sein. Nur unter dieser Voraussetzung wird sie die Liebe zur Heimat und damit zum Vaterlande wecken, erhalten und festigen. Fürwahr, in diesem Sinne ist es etwas Großes um die Heimatliebe!