Aufsatz 
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nun der Lehrer verpflichtet wäre, die Bücher und Aufsätze der Reihe nach durchzuarbeiten. Dazu fehlt ihm meist die Zeit. Aber es sollte ihm die Möglichkeit geboten werden, für die eigene Belehrung und damit für den Unterricht aus klaren Quellen zu schöpfen. Auf diese Weise dürfte zeitraubendes und fruchtloses Suchen erspart bleiben und jene Sicherheit des Wissens erreicht werden, die zusammen mit anderen Eigen- schaften Disziplin und Erfolg im Unterricht verbürgt.

Für die vorgeschlagenen Bilder aus der Heimatgeschichte bietet unser Lesebuch Saat und Ernte 1. und 2. Teil vorerst nur wenig Stützen, so in den AufsätzenWinfried fällt die Donareiche undKarl der Große. Aber auch wenn diese bei der Neubearbeitung in stattlicher Reihe erscheinen, ihre Zahl. wird für die Geschichtsbilder nicht ausreichen und nicht immer den Anforderungen und dem Geschmack des Unterrichtenden entsprechen. Deshalb wird dieser etwa alle drei Wochen durch Fragen und Antworten das einzelne Geschichtsbild mit den Schülern erarbeiten und es ihnen zuletzt in zusammen- hängender Form vorführen. In Aufsätzchen lassen sich diese Geschichtsbilder nur dann verwerten, wenn sie reine Erzäh- lungen enthalten. Dies ist z. B. bei der Sage von dem Fdelstein der Fastrada der Fall. Weit häufiger wird der Lehrer Gelegen- heit finden, einem Geschichtsbilde Stoff für ein Diktat zu ent- nehmen. Letzteres muß dann so abgefaßt sein, daß es zugleich als Musterdarstellung gelten kann.

II.

Zum Lehrverfahren auf der Mittel. und Oberstufe.

Die Heimatgeschichte kann auf der Mittel- und Oberstufe in zweifacher Weise vermittelt werden. Entweder die Fest- stellungen aus der Heimatgeschichte bilden den Ausgangspunkt, von dem aus allgemeine geschichtliche Erscheinungen erläutert werden. Oder letztere werden dogmatisch vorgeführt und dann an der Heimatgeschichte veranschaulicht. Ein Beispiel mag den Unterschied im Verfahren verdeutlichen. Wie bereits erwähnt, verlangen die neuen Lehrpläne für die Zeit von 12501500 ein- gehende Berücksichtigung der Stände- und Stadtgeschichte. In diesem Zusammenhange ist daher zweifellos von den Zunft- kämpfen des 14. und 15. Jahrhunderts zu sprechen. Dies kann in der Weise geschehen, daß wir hier in Mainz eine Zunftfahne, einen Zunfthumpen oder eine Zunfttruhe oder dergl. zum Aus- gangspunkt nehmen, die Entwicklung vom unfreien Arbeiter zum freien Handwerker verfolgen und dann die Kämpfe ins Auge fassen, welche die Zünfte mit den Geschlechtern um die