Schülerübungen vor, ſodaß jedem Primaner ein eigener Platz eingeräumt werden konnte. Gemeſſen an dieſen verſchwenderiſch ausgeſtatteten Lehrräumen an der Klingerſchule, die dem Stadtfiskus im Verhältnis zum übrigen Schulbedarf ungebührlich hohe Summen ge⸗ koſtet haben mochten, konnte bei der Behandlung der Frage, ob damals, da das Be— dürfnis für Oberklaſſen an Realanſtalten offenſichtlich war, die Adlerflychtſchule eine Ober⸗ ſtufe bekommen ſolle, die zum mindeſten übertriebene Auffaſſung der„Sachverſtändigen“ entſtehen, ein Ausbau zur Oberrealſchule ließe ſich nur ermöglichen„durch einen Anbau für den naturwiſſenſchaftlichen Unterricht, für Phyſik und Chemie.“ Die Adlerflychtſchule enthält aber neben den üblichen Sammlungszimmern für Erdkunde, Geſchichte, Biologie, Phyſik, Chemie(nebſt Arbeitsraum), Schüler und Lehrerbibliothek 22 Klaſſenräume. Wären nur drei Lorſchulklaſſen beibehalten worden und drei Oberklaſſen zu den doppelzügigen zwölf Realſchulklaſſen gekommen, ſo hätten noch immer bei Abzug einer Klaſſe für etwaige Klaſſenzuſammenlegungen drei Räume für die notwendige Er- weiterung der naturwiſſenſchaftlichen Lehr und Sammlungszimmer zur Lerfügung ge⸗ ſtanden. Beim Ausbau der Klingerſchule war Frankfurt„vierſpännig gefahren“; als die Schweſterſchule altverbürgte Rechte geltend machte, reichte es nicht mehr zum Einſpänner! Trotzdem gegen die ſtadtſeitig geplanten Veränderungen in der Organiſation der Schule, die als ſchädlich und unbillig aufgefaßt werden mußten, beim Provinzialſchulkollegium vom Direktor aufs entſchiedenſte Einſpruch erhoben wurde, ſetzte das Kuratorium(Corſitzender Stadtrat Grimm) ſeinen Beſchluß durch,„daß ab Oſtern 1903 an der Adlerflychtſchule zwei unterſte Vorſchulklaſſen errichtet werden und daß bis Öſtern 1905 allmählich drei Lorſchulklaſſen an der Klingerſchule eingezogen und mit der an der Adlerflychtſchule be⸗ ſtehenden Vorſchule neu verbunden werden.“
Mit dieſer Regelung war menſchlichem Ermeſſen nach die Schickſalfrage der Adlerflycht⸗ ſchule für alle Zukunft ungünſtig entſchieden. Der neue Mißerfolg ließ die Schule in den Augen der Bürgerſchaft an Anſehen und Wertſchätzung verlieren, da man ja keine Einſicht in die innerſten Zuſammenhänge dieſer Löſung haben konnte und deshalb die Zurück— ſetzung dieſer älteſten Realanſtalt in der Frage der natürlichen Entwicklung mit irgendwelchen anderen, womöglich der Schule ſelbſt zur Laſt zu legenden Gründen ſich erklären mußte.
Die Schulbeſuchszahlen der Zuſammenſtellung, die mit dem Jahre 1903 in der Lorſchule mit wachſender Klaſſenzahl naturgemäß zunehmen, in der Realſchule aber zunächſt auf⸗ fallend abnehmen, reden eine deutliche Sprache.
Das innere Leben der Schule, das trotz der niederdrückenden Enttäuſchung in der Löſung unſerer Lebensfrage in altbewährten Bahnen weiterläuft, läßt die Wertſchätzung der Schule auf die Dauer nicht verkümmern; im Jahre 1909 erreicht die Schule mit 374 Realſchülern in 12 Klaſſen und 252 Vorſchülern ihre Höchſtfrequenz. Die Gründung der Helmholtz⸗ Oberrealſchule im fernen Oſtend(1912) und die notwendig werdende Errichtung einer Realſchule im neuen Siedlungsgebiet des nördlichen Lorſtadtviertels(Ziehen-Oberreal— ſchule) nehmen jeweils Teile des Rekrutierungsbezirks weg, was ſich deutlich in der Ab— nahme der Schülerzahl an der Realſchule zeigt.
Auch die wirtſchaftlichen Wirkungen der Kriegszeit und der Nachkriegsjahre laſſen ſich an der Schulbeſuchsziffer verſpüren. Namentlich die Lorſchulklaſſen verlieren Schüler; ſie ſollten überhaupt grundſtürzenden Anderungen auf ſchulpolitiſchem Gebiet zum Opfer fallen.
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