zubauen. Es entzieht ſich der Kenntnis des Berichterſtatters, aus welchen Gründen auch 1901 das Kuratorium den Antrag des Direktors ablehnte. In ſeiner Feſtrede, anläßlich der Feier des 25jährigen Beſtehens, glaubte Direktor Bode in Gegenwart des ſtädtiſchen Dezernenten, des Herrn Stadtrat Grimm, noch der Hoffnung Ausdruck geben zu können, daß die Ausbildung der Schule zu einer Oberrealſchule von den ſtädtiſchen Behörden baldigſt in Erwägung gezogen werde. Es iſt wohl anzunehmen, daß damals ſchon die als Lollanſtalt vorgeſehene Sachſenhäuſer Oberrealſchule und die mit ihrem Stadtteil nach der Eingemeindung ſtark vordringende Bockenheimer Realſchule(die heutige Liebig-Ober- realſchule) ihre Schatten vorauswarfen und damit die Adlerflychtſchulwünſche überdeckten. Nach 5 ½jähriger Tätigkeit, am 1. Oktober 1901, ging Direktor Dr. Bode als Leiter zur Klingeroberrealſchule über und mußte von dort aus, in der Fürſorge für die Weiterent⸗ wicklung ſeiner neuen Anſtalt— es wird ihm bei ſeiner durch Wort und Tat bekundeten Zuneigung zur Adlerflychtſchule nicht leicht geweſen ſein—, den von ihm ſelbſt ſo tat⸗ kräftig verfolgten Ausbaubeſtrebungen unſerer Schule neue Schwierigkeiten bereiten.
Nach halbjährigem Interregnum— Herr Prof. Dr. Reichenbach war mit der Schulleitung beauftragt— trat Dr. O. Winneberger, der ſchon von 1887— 1898 als Oberlehrer an der Anſtalt gewirkt hatte, dann in gleicher Eigenſchaft an das Goethe-Gymnaſium verſetzt worden war, ſein Amt als Direktor an.
Schon im zweiten Monat ſeiner Tätigkeit mußte er den Kampf für die naturgemäße Ent— wicklung der ihm anvertrauten Schule aufnehmen. Die Klingerſchule wollte und mußte bei dem ſtärker werdenden Zugang zur Oberſtufe der Realſchulen ihre Oberklaſſen in zwei Zügen durchführen. Gerade im Hinblick auf dieſe bald eintretende Notwendigkeit hatte Dr. Bode als Direktor der Adlerflychtſchule den Ausbau für dieſe gefordert und vor einer doppelten Oberſtufe an einer Anſtalt aus unterrichtlichen und erziehlichen Gründen gewarnt. Lom Standpunkt der ihm nun unterſtehenden neuen Anſtalt aus be— antragt er Teilung der Primen und Überweiſung des einen Lorſchulzuges in die ſeit Oſtern 1901 freiſtehenden Klaſſenräume der Adlerflychtſchule, da im Gebäude der Klinger- ſchule kein Raum für weitere Klaſſen zur Lerfügung ſtand oder geſchaffen werden konnte. Mit einem von Einſicht und Lorausſicht getragenen tiefen Ernſt bekämpft der dritte Di⸗ rektor der Adlerflychtſchule dieſen Plan, der einerſeits die Arbeit in Unter- und Mittel⸗ ſtufe der Realſchule ſtark zu beeinträchtigen drohte— bei zwei ſtarken Lorſchulklaſſen— zügen wurden die Sexten, nach Abwanderung oft gerade der beſten und fähigſten Schüler zu den Vollanſtalten, Gymnaſien und Realgymnaſien, übermäßig gefüllt mit den übrig— gebliebenen, zwar verſetzten aber doch minderbefähigten Schülern, ſodaß kaum Platz für wertvollen und erſtrebenswerten Zuwachs von Hochbegabten aus Lolks- und Mittelſchulen übrig blieb—, der aber andererſeits durch Wegnahme des freien Schulraums auf lange Zeit die Ausſicht auf die erwartete Oberſtufe verſperrte.
Es iſt die Tragik der Adlerflychtſchule, daß ſie gegenüber ihrer Zwillingsſchweſter immer um ein paar Jahre zurück iſt. Die Klingerſchule war 1901 in das von der Muſterſchule bis dahin bewohnte Schulgebände eingezogen, das zwecks Aufnahme einer Oberrealſchule mit natur— wiſſenſchaftlichen Lehr⸗, Sammlungs- und Arbeitsräumen aufs beſte ausgeſtattet worden war.
Die Einrichtungen für den chemiſchen Unterricht, die„großartiger und praktiſcher wohl in keiner Schule Deutſchlands zu finden“ waren, ſahen z. B. allein 69 Arbeitsplätze für
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